Text: Heidemarie Wolter
Manchmal genügt eine kleine ungünstige Bewegung, schon schießt ein stechender Schmerz in den Rücken, sodass man sich kaum noch aufrichten, geschweige denn normal gehen kann. In der Regel handelt es sich bei diesem „Lumbago“ (vulgo: Hexenschuss) um eine akute Muskelverspannung, die nach einiger Zeit von selbst verschwindet. Doch bis dahin hilft vor allem eins: Wärme, weiß die Hamburger zertifizierte Rücken-Trainerin Lara Ahlefelder: „Wärme fördert die Durchblutung und löst so Verkrampfungen und Verspannungen in Muskeln, Sehnen und Bändern“. Lara Ahlefelder empfiehlt Anwendungen mit Wärme grundsätzlich bei Muskelverhärtungen und -verspannungen, abklingendem Muskelkater, verspannter Nackenmuskulatur sowie Schmerzen im unteren Rücken und Menstruationsbeschwerden.
Ob Heizkissen, Wärmflasche oder ein heißes Bad, „die Förderung der Durchblutung steigert außerdem die Stoffwechselprozesse“, sagt der Internist und Nephrologe Thomas Dietz vom Nierenzentrum in Berlin. Dadurch wird, erklärt Dietz, das Gewebe besser und schneller mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, Stoffwechsel-Endprodukte werden schneller abtransportiert und Botenstoffe des Immunsystems vermehrt in Umlauf gebracht. Der Schmerz lässt nach.
Auch unser Nervensystem wird durch Wärme beeinflusst. Denn für das Schmerzempfinden sind spezielle Endungen der Nervenstränge, die sogenannten Nozizeptoren, verantwortlich. Diese empfangen bei einer Schädigung des Gewebes elektrische Signale, die als Schmerz über die Wirbelsäule an das Gehirn gemeldet werden. Wärme aktiviert dagegen an der schmerzenden Körperstelle temperaturempfindliche Nervenendungen, sogenannte Thermorezeptoren. Diese wiederum sorgen für elektrische Signale, die die Weiterleitung der Schmerzreize blockieren, beschreiben Scott Nadler, Kurt Weingand und Roger Kruse in ihrer 2004 veröffentlichten Studie.
Wärmebehandlung früher und heute
Die Wärmetherapie, wie die Behandlung von Krankheiten mit Wärme auch genannt wird, gehört zu den ältesten Heilmethoden der Menschheit; bereits 2400 Jahre v. Chr. linderten und kurierten die alten Ägypter Alltagsbeschwerden mit Packungen aus heißem Nilschlamm. Daraus haben sich unsere heutzutage bei rheumatischen Erkrankungen eingesetzten Wärmeanwendungen mit Peloid-Substanzen, etwa Fango, Schlamm oder Heilerde, entwickelt. Und auch im alten Rom wurde Wärme großgeschrieben: Wohltuende Erleichterung verschafften hier die berühmten Thermen. Einige unserer heutigen Kurorte entstammen diesen ursprünglich römischen Heilbädern, wie zum Beispiel Bath in England und Baden-Baden in Süddeutschland.
Viele Wärmebehandlungen werden übrigens in Kombination mit Wasser angewendet, aus einem einfachen Grund: Ob nun als warmes Bad zur Stressreduktion, als heißer Wickel oder heiße Rolle bei Muskelverspannungen oder bei Unterleibsbeschwerden wie dem prämenstruellen Syndrom – durch seine spezielle Struktur ist Wasser das perfekte Medium, um Wärme eine Zeit lang zu speichern und während der Behandlung kontinuierlich an den Körper abzugeben.





