Wissenschaftler vom Medical Center der Stanford University schreiben der erblichen Komponente ein größeres Gewicht bei der Entstehung vieler Tumorarten zu. Dies gilt besonders für früh auftretende Tumoren und seltene Krebsformen. Darüber berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention.
Die Forscher hatten bereits veröffentlichte Studienergebnisse mit einem neuen statistischen Modell ausgewertet. Das Stanforder Team um Neil Risch untersuchte neben den bereits vor einem Jahr in der Fachzeitschrift New England Journal veröffentlichten Daten von 45.000 Zwillingspärchen auch zwei andere großangelegte Zwillingsstudien. Mit einem neuen statistischen Modell kamen die Forscher zu neuen Erkenntnissen.
Die zurückliegenden Studien gehen davon aus, dass die meisten Tumoren das Ergebnis additiver Effekte mehrerer unterschiedlicher Gene sind, die jeweils nur einen minimalen Effekt auf die Entwicklung der Erkrankung ausüben. Doch schädliche Umwelteinflüsse übertreffen nach diesen Berechnungen immer die genetische Komponente.
Risch hingegen erklärte die Studienergebnisse nicht mit einem vielfachen genetischen Einfluss, sondern mit nur einer genetischen Ursache. Dieses neue Modell führte ihn zu einer anderen Erklärung: Tumore sind genetisch beeinflussbar. Besonders deutlich wird dieser Zusammenhang bei seltenen Krebsarten und Tumoren, die sich bereits im frühen Alter entwickeln. Erkrankt etwa ein junger Mann an Prostatakrebs, so lebt auch sein Bruder mit erhöhtem Prostatarisiko.
Allerdings glaubt Risch auch, dass das Erblichkeitskonzept limitiert ist. Bei so häufig auftretenden Tumoren wie Brustkrebs und Darmkrebs glaubt der Forscher an mehrere sich gegenseitig beeinflussende Gene.
Dr. Dagmar Knopf





