Fische gelten sogar sprichwörtlich als stumm – sie geben höchstens ein „Blub“ von sich, so eine verbreitete Annahme. Doch das ist ein Trugschluss: Von einigen Fischarten ist schon lange bekannt, dass sie sich durch bestimmte Mechanismen unter Wasser Gehör verschaffen. Die Lautäußerungen haben sogar manchmal Namen geprägt – wie etwa bei den Knurrhähnen. Die vielen unterschiedlichen Klänge der „gesprächigen“ Fischarten dienen meist der Revierverteidigung, der Partnersuche oder zur Abschreckung von Rivalen.
Soundbeispiel: Der Langstachelhusar (Holocentrus rufus) gibt pulsierende Rufe von sich. (Howard Winn, Macaulay Library)
“Wir wissen schon lange, dass einige Arten Geräusche machen”, sagt Aaron Rice von der Cornell University Ithaca. “Diese Fähigkeiten wurden jedoch bisher als eher seltene Kuriositäten wahrgenommen“. Über die akustische Kommunikation bei Fischen ist bisher eher wenig bekannt, da sie sich vergleichsweise schwierig untersuchen lässt. Deshalb haben sich Rice und seine Kollegen nun der Aufgabe gewidmet, Muster der Verbreitung sowie Hinweise auf die evolutionäre Entwicklung aufzudecken.
Lauten Fischen auf der Spur
Im Fokus der Forscher standen die Strahlenflosser (Actinopterygii), die rund 99 Prozent der bekannten Fischarten ausmachen. Ihre Studie basiert dabei auf Auswertungen von Datensammlungen aus unterschiedlichen Quellen: Das Team erfasste Hinweise auf Laute bei Fischarten aus der gesamten wissenschaftlichen Literatur sowie gezielt aus Studien, die sich bereits konkret mit der Fähigkeit bei bestimmten Spezies befasst haben. Zudem werteten die Wissenschaftler Informationen zur Anatomie verschiedener Fischarten aus, um Hinweis auf mögliche verborgene Fähigkeiten zu gewinnen. Denn aus bestimmten Merkmalen der Knochenstruktur, der Schwimmblase oder bestimmter Muskeln kann hervorgehen, dass sie der Lauterzeugung dienen. Die Ergebnisse werteten die Forscher anschließend durch statistische Methoden aus und ordneten sie in den Kontext der bekannten Verwandtschaftsbeziehungen und Entwicklungsgeschichten bei den Strahlenflossern ein.
Eszeichnet sich eine offenbar bisher unterschätzte Bedeutung des Konzepts bei Fischen ab: Die Forscher fanden Geräusch-erzeugende oder vermutlich dazu fähige Arten bei 175 Fisch-Gruppen. Diese Familien umfassen wiederum insgesamt zwei Drittel aller Fischarten. Die Analysen der mit Tönen verbundenen körperlichen Merkmale ergaben, dass bei den meisten von diesen Gruppen Muskeln zur Tonerzeugung dienen, die an die Vibration der Schwimmblase gekoppelt sind. Daneben ist auch ein Konzept weit verbreitet, bei dem sich bestimmte Skelettteile gegeneinander bewegen, um knarzende Töne zu erzeugen. Achtzehn Familien umfassen wiederum Arten, die beide Mechanismen gleichzeitig besitzen.





