Geschätzt 150 Millionen Tonnen Plastik belasten die Weltmeere, davon ist ein großer Anteil Mikroplastik. Die kleinen Kunststoffpartikel stammen unter anderem aus Kunststofffasern von Funktionstextilien, aus der Industrie, aber auch aus Kosmetik- und Körperpflegeprodukten. In diesen Produkten dienen sie als Bindemittel, Peeling-Helfer oder sollen die Benetzungseigenschaften von Shampoos und Duschgelen verbessern.
Was bringt die Selbstverpflichtung?
Das Problem: Über das Abwasser gelangen die mikroskopisch kleinen Plastikpartikel in die Flüsse und ins Meer. Dort werden sie von Meeresorganismen aufgenommen und binden zudem noch Giftstoffe an sich. Forscher haben Mikroplastik bereits in Muscheln und Garnelen, aber auch in Speisefischen
wie Thunfisch, Kabeljau oder Makrele nachgewiesen. Bei diesen können sie Entzündungen hervorrufen, die Nahrungsaufnahme beeinflussen – oder letztlich auf unserem Teller landen.
Um gegen die Mikroplastik-Schwemme in Gewässern und Ozeanen vorzugehen, haben inzwischen zahlreiche deutsche Hersteller von Kosmetika und Körperpflegeprodukten einen Verzicht auf Mikroplastik angekündigt. Im Rahmen einer freiwilligen Selbstverpflichtung deklarieren einige Unternehmen ihre Produkte bereits als “frei von Mikroplastik”.
Doch stimmt das auch? Das hat die Umweltorganisation Greenpeace nun überprüft. Für ihre Analyse wertete sie Informationen 22 deutscher Hersteller zu Inhaltsstoffen, Produkten und Richtlinien aus, bat zudem mittels Fragenkatalog um Auskunft und führte eigenen Analysen durch.
Verzicht nur auf feste Partikel
Das Ergebnis: Zwar hat die Selbstverpflichtung im sogenannten “Kosmetikdialog” zwischen Industrie und Politik feste Plastikpartikel aus Peelings und anderen abwaschbaren Pflegeprodukten verdrängt. Geblieben aber ist der massive Einsatz von synthetischen Polymeren in flüssiger, gel-, wachsartiger oder suspendierter Form.
Diese Plastik-Zusatzstoffe kommen in konventionellen Drogerie- und Markenprodukten noch immer massenhaft vor, wie der Test ergab. “Was die konventionelle Kosmetik uns als Mikroplastik-frei verkauft, ist eine Verbrauchertäuschung”, sagt Sandra Schöttner, Greenpeace-Meeresexpertin. “Bekannte Kosmetik- und Körperpflegeprodukte, zum Beispiel aus der Nivea-Linie, haben nach wie vor ein Plastikproblem.”
Nur die Naturkosmetik ist konsequent
Das Problem dabei: Die Umweltfolgen der flüssigen, gel- und wachsartigen Kunststoffe sind meist noch gar nicht bekannt oder geben Anlass zur Sorge. So gelten bestimmte Polyquaternium-Verbindungen als giftig für Wasserorganismen. Andere synthetische Polymere sind langlebig oder können sich mitsamt angelagerte Giftstoffe in Organismen anreichern.





