Langsame Klimaveränderungen auf der Erde spiegeln sich auf der dunklen Seite des Mondes wieder, sagen US-Forscher: Sie griffen eine 50 Jahre alte Idee auf und können heute dank modernster Technik Störungen durch die Erdatmosphäre herausfiltern. Mit Hilfe von Lichtsensoren im Teleskop messen die Wissenschaftler des New Jersey Institute of Technology (NIJT), wieviel Sonnenlicht die Erde zurück ins All reflektiert. Diese einfache und preiswerte Methode kann als Langzeitmessung die von Satelliten gesammelten Kurzzeitdaten zum Klima ergänzen.
Wenn der Klimawechsel in dem Maße weitergeht, wie man erwartet, dann sollten wir ihn sehr leicht erkennen können, sagt Philip Goode vom NIJT. Die reflektierte Sonnenenergie gibt indirekt Auskunft darüber, wieviel Sonnenlicht auf der Erde ankommt. Ins All gespiegelt, lässt sich die reflektierte Lichtmenge an der dunklen Seite des Mondes ablesen. Dabei muss zunächst die wesentlich hellere, von der Sonne beleuchtete Mondsichel “ausgeblendet” werden (Foto) .
Die Reflektivität der Erde, ihre so genannte Albedo, fluktuiert mit den Jahreszeiten. Im Laufe eines Jahres schwankt ihr Wert um bis zu 20 Prozent, so Goode in den Geophysical Research Letters . Die Messungen seines Teams haben beispielsweise ergeben, dass die Erde vor fünf Jahren wesentlich bewölkter war. Entweder, so Goode, war ein ‘El Nino’ schuld, oder die Effekte der Sonnenaktivität auf das Erdmagnetfeld. Andere Klimadaten können dies klären. Goode wünscht sich ein Netzwerk von automatisch gesteuerten Teleskopen, um rund ums Jahr den “Erdschein” auf dem Mond zu vermessen.
Dörte Saße





