Obwohl die Lebensspanne von Menschen und Affen zum Teil sehr unterschiedlich ist, altern Primaten inklusive des Menschen allesamt auf eine sehr ähnliche Art und Weise. Das ist das Ergebnis einer Studie, in der Forscherteams aus den USA, Kanada und Kenia Daten zur Lebenszeit und der Todesrate von sieben Affenarten mit demographischen Daten der US-amerikanischen Bevölkerung verglichen. Demnach ist nicht nur der Anteil der Individuen ähnlich, die während der Kindheit, Jugendzeit und im Erwachsenenalter sterben. Auch die Tatsache, dass Frauen länger leben als Männer, scheint ein evolutionäres Erbe zu sein, das sich bei den meisten Affenarten findet.
Lange hatten Wissenschaftler angenommen, der Mensch altere langsamer als andere Tiere. Systematisch verglichen hatte das aber bisher niemand. Denn Langzeituntersuchungen von freilebenden Tierpopulationen sind rar, insbesondere wenn man den Menschen mit seinen nächsten Verwandten im Tierreich, den Affen, vergleichen will. Für die aktuelle Studie haben sich nun zehn Autoren aus drei Ländern sieben Affenarten vorgenommen – vom Larvensifaka, einer Lemurenart aus Madagaskar, bis zum Schimpansen – und deren Sterblichkeitsraten in verschiedenen Lebensaltern mit denen des Menschen verglichen. Die menschlichen Daten stammten vom Gesundheitsministerium der USA.
Dabei zeigte sich ein ähnliches Grundmuster bei allen Primatenspezies: Die Säuglings- und Kindersterblichkeit ist vergleichsweise hoch, in der Jugend sinkt die Gefahr, zu sterben, stark ab, und erst vom mittleren Erwachsenenalter an nimmt sie kontinuierlich wieder zu. Es gab auch bei so gut wie allen Primaten einen “Gender Gap”, wie man ihn vom Menschen kennt: Frauen leben länger und altern langsamer als Männer.
Eine Ausnahme fanden die Forscher jedoch: Bei den Nördlichen Spinnenaffen, einer Klammerschwanzaffenart aus Brasilien, unterscheiden sich die Geschlechter kaum in ihrer Sterblichkeit. “Nördliche Spinnenaffen sind die einzige Art in unserer Auswahl, bei der Männchen nicht offen miteinander um Paarungspartnerinnen konkurrieren”, sagt Mitautorin Karen Strier, eine Anthropologin von der University of Wisconsin. Sie studiert die südamerikanischen Affen seit 1982.
Den stärksten Geschlechtsunterschied in der Lebenserwartung fanden die Wissenschaftler dagegen bei den Larvensifakas aus Madagaskar. “Die Ursachen sind unbekannt”, sagt die Lemuren-Spezialistin im Autorenteam, Diane Brockman von der University of North Carolina. “Doch vermutlich liegt es daran, dass die Männchen zu riskantem Verhalten neigen. Dazu gehört auch der intensive Wettbewerb um die Weibchen während der Paarungszeit.” Es kommt auch vor, dass Männchen andere Gruppen überfallen und deren Nachwuchs töten. Offensichtlich beeinträchtigt solch rohes Gebaren die eigene Langlebigkeit, spekulieren die Forscher.
Anne Bronikowski (Iowa State University) et al: Science, Bd. 331, S. 1325 dapd/wissenschaft.de – Ruth Homburg





