Grillenweibchen sorgen für Abwechslung in ihrem Liebesleben: Sie hinterlassen beim Geschlechtsakt eine individuelle Duftmarke auf ihrem Partner, um ihn später wieder erkennen zu können und sich nicht aus Versehen noch einmal mit ihm zu paaren. Das haben amerikanische Forscher bei einer Studie mit Kurzflügelgrillen (Gryllodes sigillatus) beobachtet. Mit dieser Taktik stellen die Insektenfrauen sicher, dass sie möglichst unterschiedliches genetisches Material von möglichst vielen verschiedenen Männchen erhalten, und erhöhen so die Überlebenschancen ihres Nachwuchses.
In vielen Insektenspezies ziehen die Weibchen neue, ihnen bisher unbekannte Partner den Männchen vor, mit denen sie sich schon einmal gepaart haben. Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Manche Weibchen maximieren damit die Menge an Brautgeschenken, andere verhindern so eine Belästigung durch ein und dasselbe Männchen und wieder andere vergrößern ihren Vorrat an Sperma. Je mehr verschiedene Partner ein Weibchen hat, desto größer sind außerdem die Überlebenschancen seines Nachwuchses. So sinkt beispielsweise die Gefahr, dass alle Eier eines Geleges von einem Partner befruchtet werden, dessen Gene nicht zu denen des Weibchens passen.
Wie die Weibchen jedoch erkennen, mit welchem Männchen sie sich schon einmal gepaart haben, war bislang völlig unklar. Um zu untersuchen, ob der individuelle Duft eine Rolle spielt, griffen Forscher um Tracie Ivy von der Staats-Universität Illinois zu einem Trick: Sie züchteten ihre Testgrillen durch Inzucht, so dass die Geschwister einer Linie sehr ähnliches Erbgut und damit auch einen ähnlichen Körpergeruch besaßen. Dann ließen sie Weibchen aus verschiedenen Abstammungslinien zwischen Männchen wählen, die sich zuvor entweder mit einer Schwester des Weibchens oder mit einem fremden Weibchen gepaart hatten.
Das Ergebnis: Die Weibchen verschmähten eindeutig die Männchen, die sich zuvor mit ihren Schwestern abgegeben hatten ? nach Ansicht der Forscher ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Weibchen ihre Partner während der Kopulation mit ihrem individuellen chemischen Stempel markieren. Da sich der persönliche Duftcocktail der Geschwister innerhalb der Linien sehr stark ähnelt, erkennen die Weibchen im Geruch ihrer Schwestern demnach ihren eigenen Körpergeruch und lassen die markierten Männchen links liegen. Der persönliche Duft der Männchen spielte dagegen keine Rolle, erklären die Wissenschaftler. Sie vermuten, damit einen allgemeinen Mechanismus entdeckt zu haben, mit dem auch andere Tiere eine mehrmalige Paarung verhindern.
Tracie Ivy et al. (Staats-Universität von Illinois, Normal): Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2005.3222 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





