Vom Förster zum Waldmanager - wissenschaft.de | natur
natur PlusBiologie
Vom Förster zum Waldmanager
Der Wald in Deutschland hat verschiedene Gesichter: Selten sieht er so aus wie der Grumsin in der Uckermark in Brandenburg: dichter Buchenwald, durchzogen von eiszeitlich geformten Seen, von Endmoränen und Feuchtgebieten. Wo Bäume alt werden und sterben dürfen, wo umgekippte Bäume liegen- und abgestorbene Stämme stehen bleiben, bis sie von selbst zerfallen. Er kann aussehen wie Wald, der deutlich auf Nutzung getrimmt ist. Mit einer vorherrschenden Baumart, mit geraden Wegen und Rückegassen und einheitlichen Altersbeständen. Nicht selten sieht man unter den großen Bäumen aber bereits kleine Laubbäume nachwachsen und kann den naturnäheren Laubmischwald der Zukunft zumindest erahnen. Seit einigen Jahren sieht der Wald oft aus wie im Harz und in anderen Landesteilen, wo sich auf riesigen Flächen Fichten an Fichten reihten, bis eine tückische Kombination aus Hitze, Dürre und Borkenkäfern mehr als 500.000 Hektar Wald dahinraffte.
Sie haben noch 2 von 3 kostenlosen Artikeln übrig1/3
Text: Ralf Stork
Der Wald in Deutschland hat verschiedene Gesichter: Selten sieht er so aus wie der Grumsin in der Uckermark in Brandenburg: dichter Buchenwald, durchzogen von eiszeitlich geformten Seen, von Endmoränen und Feuchtgebieten. Wo Bäume alt werden und sterben dürfen, wo umgekippte Bäume liegen- und abgestorbene Stämme stehen bleiben, bis sie von selbst zerfallen. Er kann aussehen wie Wald, der deutlich auf Nutzung getrimmt ist. Mit einer vorherrschenden Baumart, mit geraden Wegen und Rückegassen und einheitlichen Altersbeständen. Nicht selten sieht man unter den großen Bäumen aber bereits kleine Laubbäume nachwachsen und kann den naturnäheren Laubmischwald der Zukunft zumindest erahnen. Seit einigen Jahren sieht der Wald oft aus wie im Harz und in anderen Landesteilen, wo sich auf riesigen Flächen Fichten an Fichten reihten, bis eine tückische Kombination aus Hitze, Dürre und Borkenkäfern mehr als 500.000 Hektar Wald dahinraffte.
Der Wald ist in die Krise geraten. Der Klimawandel setzt ihm zu und die Nutzung durch den Menschen, der vielfach Monokulturen mit Arten geschaffen hat, die nicht gut an die jeweiligen Standorte angepasst sind. Aktuell geht es um die Frage, welche Bäume mit den steigenden Temperaturen und extremer Witterung in 50, 100 und 200 Jahren noch zurechtkommen können. Und darum, wie – oder ob – der Mensch den Wald in Zukunft noch nutzen kann, ohne das fragile Ökosystem zu überlasten. Dazu kommen gesteigerte gesellschaftliche Erwartungen: Wie bisher soll der Wald genügend Holz für Papier, Möbel und die Baubranche liefern. Aber bitte auch möglichst viel CO2 speichern, Freizeit-, Erholungs- und Besinnungsort sein und ein Refugium für möglichst viele Arten. Auf die Menschen, die heute mit dem Wald arbeiten, kommt also einiges zu. Florian Manns ist einer von ihnen.
Aufgaben als Förster
Der 41-jährige Manns ist Stadtförster in Eberswalde, zuständig für rund 1.600 Hektar Fläche, davon rund 1.400 Hektar Wald. Manches an seinem Beruf entspricht ziemlich genau dem Klischee, das man vom Förster hat: Manns wohnt am Waldrand in einem alten Forsthaus. Er ist Jäger – das war eine Voraussetzung für den Job, allein schon, weil er als Revierförster Ansprechpartner für die Jäger auf den städtischen Flächen ist und Jagden organisieren muss. „Damit der Wald natürlich nachwächst, ist die Bejagung von Reh- und Rotwild unerlässlich“, sagt Manns. Derzeit werden im Eberswalder Stadtforst jährlich etwa 120 bis 150 Rehe und 100 Wildschweine erlegt.
Manns hat natürlich auch einen Jagdhund, und er macht Holz: Maximal 5.500 Festmeter werden jedes Jahr geerntet und verkauft. Das bringt der Stadt Eberswalde je nach Marktlage ganze 200.000 bis 250.000 Euro im Jahr ein.
Wie sich die ersten Landpflanzen vor Sonne schützten
13. Juli 2026
Eine Grünalge könnte erklären, wie die ersten Pflanzen vor 500 Millionen Jahren an Land überleben konnten und der UV-Strahlung widerstanden.
natur PlusBiologie
Stark gegen Stress
3. Juli 2026
Pflanzen können nicht fliehen, wenn Trockenheit, Hitze oder Krankheitserreger zuschlagen. Stattdessen reagieren sie mit fein abgestimmten Strategien auf Stress.
Auf seinem Weg nach Eberswalde hat Manns aber auch Erfahrungen gesammelt, die für einen klassischen Förster eher ungewöhnlich sind: Nach dem Studium der Forstwirtschaft in Rottenburg war er für ein Naturschutz-Waldprojekt in Brasilien, hat noch ein Masterstudium für Nachhaltiges Wirtschaften in Kassel drangehängt und danach als Wissenschaftler und Berater im Bereich Umweltpolitik am Umweltforschungszentrum (UFZ) in Leipzig gearbeitet. Seit 2020 ist er Revierförster der Stadt Eberswalde. Die unterschiedlichen Perspektiven, die er im Ausland, im Naturschutz und in der Wissenschaft kennengelernt hat, helfen ihm, die neuen Herausforderungen anzugehen. „Holzmachen und Jagd bleiben wesentliche Aufgaben eines Försters. Aber andere Aspekte werden immer wichtiger“, sagt Manns.
Erholungsraum Wald
Die Erholungsfunktion des Waldes ist für die Menschen aus der Stadt ein wichtiges Gut. Das kann man in einem Waldstück beobachten, das wenige 100 Meter vom Forsthaus entfernt liegt: Hügeliges Terrain, ein Buchenwald wie eine Säulenhalle, den die Herbstsonne gerade in warmes Licht taucht. Zwei Spaziergänger sitzen auf einem umgestürzten Baumstamm, eine Fußgängergruppe führt ihre Hunde spazieren. An mehreren Orten haben Kinder aus Ästen primitive Tipis errichtet, die windschief an den Stämmen lehnen. Zwischen den Bäumen schimmern außerdem die Gebäude des Waldcampus der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) durch. Auch die Studierenden nutzen den Wald gerne, um zwischen zwei Vorlesungen wieder aufzutanken.
„Es gibt hier einige Exemplare, die sich gut zu Holz machen ließen“, sagt Manns und zeigt auf ein paar große Douglasien und Buchen. Ohne die stattlichen Bäume aber wäre der Gesamteindruck des Waldes weniger schön, der Erholungswert würde sinken. Deshalb werden sie nicht gefällt. Auch andere Bäume bleiben stehen: Eine Douglasie, die fast bogenförmig gewachsen ist, auch eine Buche, deren Stamm sich in früheren Jahren ein Stück über dem Boden geteilt hat und in der Höhe wieder zusammengewachsen ist. Für die Holzindustrie sind sie wegen ihrer Wuchsform ohnehin uninteressant. Aber sie hätten gefällt werden können, um Platz für „bessere“ zu machen. Jetzt bleiben sie aus Naturschutzgründen stehen, weil solche Wuchsformen häufig eine höhere Artenvielfalt begünstigen. Es gibt viele Gründe, Bäume nicht zu fällen, selbst wenn sie gutes Geld bringen würden: An einem Hang können sie den Boden stabilisieren und im Trinkwasserschutzgebiet für eine gute Wasserqualität sorgen.
Manns jedenfalls lässt jedes Jahr deutlich weniger Bäume fällen, als er könnte: Der jährliche theoretische Holzzuwachs auf seinen Flächen beträgt etwa 8.000 Festmeter, genutzt werden nur etwa 5.500, meist weniger. Die Zurückhaltung hat auch damit zu tun, dass der Klimawandel das Wirtschaften im Wald immer unberechenbarer macht: Nur ein paar Schritte von dem Buchenwald entfernt, kann man auf einer großen Fläche weit in den Himmel schauen. „2017 hat Herbststurm Xavier hier etwa zehn Hektar Buchen- und Eichenwald umgeworfen“, sagt Manns. Für ihn war da der Klimawandel am Werk, der immer mehr Extremwetterereignisse mit sich bringt. Stürme im Herbst sind keine Seltenheit, erzählt er. Aber dieser Sturm kam früher als sonst. Zu einer Zeit, als die Bäume das Laub noch nicht abgeworfen hatten, deshalb war die Angriffsfläche des Windes besonders groß. Außerdem kam der Wind aus einer anderen Richtung als sonst und traf die Bäume, die sich mit ihren Wurzeln gegen die Hauptsturmrichtung stemmen, an ihrer schwächsten Stelle. Zehn Hektar Wald waren auf einen Schlag weg, der reguläre Einschlag für ein ganzes Jahr in 20 Minuten umgeworfen.
In Zukunft wird es solche Ereignisse häufiger geben. Deshalb drängt die Frage, wie auf einer Lichtung am schnellsten wieder ein resilienter Wald wachsen kann. In diesem konkreten Fall hat Manns‘ Vorgänger auf einem Teil der Fläche junge Traubeneichen und weitere Laubbaumarten neu gepflanzt. Ein anderer Teil wurde – nachdem die umgestürzten Bäume entfernt waren – sich selbst überlassen. Auch dort wachsen wieder junge Bäume heran, die, weil der Wald vorher schon ein wenig gelichtet worden war, bereits als junge Baumgeneration in den Startlöchern standen. Vielleicht wäre ein Nachpflanzen sogar nicht nötig gewesen.
Verschiedene Wege eines Neuanfangs
Es gibt auch noch die sehr invasive Praxis, Waldflächen mit schwerem Gerät zu befahren, komplett zu roden und zu pflügen und dann mit neuen Bäumen zu bestücken.
Eine weitere Möglichkeit wäre gewesen, die vom Sturm umgeworfenen Bäume einfach liegen zu lassen und darauf zu vertrauen, dass die Natur die Sache schon von allein regeln wird. In diesem Fall kann man die umgestürzten Bäume zwar nicht zu Geld machen, dafür würde im Schutz der toten Bäume womöglich der natürlichste und vermutlich auch widerstandsfähigste Zukunftswald heranwachsen.
Ein Förster oder Privatwaldbesitzer kann frei entscheiden, wie er mit einer Windwurffläche umgeht und auch, ob er – wie Manns – nur einen Teil des jährlichen Holzzuwachses erntet oder aus dem Wald so viel herausholt, wie er kann. Solange es bei der Waldwirtschaft vorrangig darum geht, mit dem Holz Geld zu verdienen, haben es andere Ansätze, die die Klimaschutzfunktion oder eine möglichst hohe Artenvielfalt im Wald ins Zentrum stellen, eher schwer.
Neuer Studiengang in Eberswalde
Genau an dieser Stelle setzt ein Studiengang an, der am Waldcampus der Eberswalder Hochschule in diesem Wintersemester neu ins Leben gerufen wurde. Sozialökologisches Waldmanagement heißt die neue Disziplin, die man nach sechs Semestern als Bachelor abschließen kann. Teresa Jahn ist eine der 17 Erstsemester. Ihr Weg zum Studium nach Eberswalde zeigt einen gänzlich anderen Blick auf den Wald als die klassische Forstwirtschaft: „Mit 13 oder 14 habe ich mit meinen Eltern hier in der Region Urlaub gemacht und auch den Grumsin besucht. Da habe ich mich in den Wald verliebt“, erzählt die 19-Jährige im Anschluss an eine Vorlesung über Klimatologie und Ökohydrologie. In den Jahren danach war sie in der Waldakademie des Bestsellerautors und ehemaligen Försters Peter Wohlleben zu Gast. „Mir war schon lange klar, dass ich was mit Wald machen will, aber eher in Richtung Naturschutz als in Richtung Forstwirtschaft“, sagt sie. Auch ihr Kommilitone Karl Apel – ebenfalls 19 – ist durch die Liebe zur Natur zum Studium gekommen. Er stammt aus Aschersleben (Sachsen-Anhalt) am Rande des Harzes, war früher viel im Mittelgebirge wandern, hat in den vergangenen Jahren mitbekommen, wie auf riesigen Flächen die Bäume abstarben und wie später dort zum Teil wieder die gleichen unpassenden Monokulturen nachgepflanzt wurden. An dem neuen Studium gefällt ihm, dass es den Wald nicht zuerst als Wirtschaftsstandort sieht, sondern die Ökosystemleistungen wie Erholung, Natur- und Klimaschutz oder die emotionale Bindung ins Zentrum stellt.
Um das System Wald in all seinen Facetten zu erleben, hat es zu Beginn des Semesters schon sehr viele Exkursionen gegeben. „Bisher waren wir fast jede Woche für ein paar Tage unterwegs“, sagt Apel. Besucht wurden unter anderem der Grumsin, der seit 2011 UNESCO-Weltnaturerbe ist, sowie Waldflächen im nahe gelegenen Nationalpark Unteres Odertal. Die Studierenden sind in den Stadtwald Lübeck gefahren, in dem in den 90er Jahren das Konzept der naturnahen Waldnutzung entwickelt wurde, und nach Treuenbrietzen im südwestlichen Brandenburg, wo nach einem großen Waldbrand im Projekt „Pyrophob“ erforscht wird, unter welchen Bedingungen ein neuer, widerstandsfähiger Wald am besten heranwachsen kann. Auf einigen Versuchsflächen wurden die verkohlten Bäume gezielt durch Neuanpflanzungen ersetzt, andere Flächen blieben sich selbst überlassen.
Bei Exkursionen in Eberswalde selbst gehen die Studierenden zum Beispiel ganz nah an einen umgestürzten Baum heran, der im Zerfallsstadium zum Lebensraum für viele Insekten, Spinnen, Farne, Moose, Pilze und Flechten wird. Oder an eine Pionierbaumart wie die Zitterpappel, deren Samen von der Luft über weite Strecken transportiert werden können und die zu den Bäumen gehört, die Freiflächen als Erste wieder besiedeln.
Der neue Studiengang war im Vorfeld seiner Gründung nicht unumstritten. In einer gemeinsamen Erklärung von einigen Mitarbeitenden von Hochschulen mit forstlichen Studienangeboten hieß es sinngemäß, dass es einen neuen Studiengang für Ökologische Waldwirtschaft nicht brauche, weil die bestehenden Studiengänge das Thema schon zur Genüge abdecken würden. Die Kritik rührte vermutlich auch daher, dass Peter Wohlleben als ehemaliger Förster und ausgewiesener Kritiker vieler forstwirtschaftlicher Praktiken Mitinitiator des neuen Studienganges war. Auch Studiengangsleiter Pierre Ibisch ist ein lautstarker Kritiker vieler Waldnutzungen der klassischen Forstwirtschaft. Eine der Kernbotschaften des Buches „Waldwissen“, das er in Vorbereitung des Studienganges gemeinsam mit Peter Wohlleben geschrieben hat, lautet: Der Wald braucht den Menschen nicht zu seinem Wohlergehen. Er kommt bestens ohne ihn aus.
Eine solche Aussage erschüttert das Selbstverständnis der Forstwirtschaft, dass der Wald beständig von ihr gepflegt, gehegt und genutzt werden muss, damit es ihm gut geht. Nach Ibischs Überzeugung ist die Nutzung der Bäume zur Holzgewinnung dagegen immer ein Eingriff, der das Ökosystem Wald schwächt, und der deshalb keine Selbstverständlichkeit sein sollte. Konkret bedeutet das, dass angesichts der Bedrohung durch den Klimawandel viel zu viel Holz in den Wäldern geerntet wird. Zu den radikalen Vorschlägen, die er gemeinsam mit Wohlleben formuliert, zählt der Stopp des Holzeinschlags in alten Laubwäldern, zumindest so lange, bis die Trends der Klimawirkungen klarer sind und die Bevölkerung entschieden hat, wie es mit dem Wald weitergehen soll.
Der neue Studiengang wird von einer Reihe von Kooperationspartnern unterstützt und finanziert, darunter Umweltstiftungen, große Privatwaldbesitzer und ökologisch ausgerichtete Unternehmen. Viele der Unterstützer sind auch potenzielle Arbeitgeber der Absolventen und Absolventinnen.
Möglich auch, dass die künftigen Bachelor später in Berufen arbeiten, die es so noch gar nicht gibt: „Ich kann mir gut vorstellen, dass Unternehmen künftig mehr Geld für Nachhaltigkeit und Klimaschutz ausgeben, zum Beispiel für ökologische Waldprojekte“, sagt Pierre Ibisch. Das Geld könnte dann verwendet werden, um Wälder möglichst naturnah und artenreich zu entwickeln – ohne Holznutzung. Dass es von solchen Flächen in Zukunft deutlich mehr geben muss, erscheint logisch, allein schon, um die gewaltigen Waldverluste seit 2018 auszugleichen und weil die Zukunft des Waldes in Zeiten des Klimawandels kaum vorherzusehen ist. //
Astrid Schilling, Leiterin des Studiengangs Forstwirtschaft an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde, erklärt, wie sehr sich das Berufsbild des Försters auch durch den Klimawandel verändert hat.
Interview: Ralf Stork
natur: Seit wann gibt es den Beruf des Försters?
Schilling: Im Mittelalter gab es Jäger, die bei Adligen beschäftigt waren, um deren Jagden zu organisieren. Die Bevölkerung konnte den Wald frei nutzen, zum Beispiel als Waldweide oder zum Holzsammeln. Das änderte sich im Laufe des 17. Jahrhunderts mit der Einführung der sogenannten Waldgerechtigkeiten. Danach wurde geregelt, wie viel Holz die Bürger aus dem Wald holen und wie viel Vieh sie im Wald hüten durften. Waldeigentümer hatten spezielles Personal, sogenannte Heidereiter oder Heideläufer, die die Einhaltung der Regeln überwachten. Aus ihnen entwickelten sich die Forstbediensteten, die zuerst nicht sehr beliebt waren, weil sie auch Strafen verhängen durften.
Wie ging es mit dem Beruf historisch weiter?
Im späten 18. Jahrhundert stieg das Ansehen der Forstleute, weil es aufgrund des großen Holzbedarfes durch Kriege, Köhlereien und Glashütten zur Holznot kam. In dieser Zeit etablierte sich die Baumzucht als eine der wesentlichen Aufgaben der Förster. Spätestens seit Hans Carl von Carlowitz hatte die Forstwirtschaft einen nachhaltigen Ansatz: In seinem Werk „Sylvicultura oeconomica“, schrieb er angesichts der Ausbeutung der Wälder, dass nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann. Carlowitz legte damit den Grundstein für die deutsche Forstwirtschaft und das Prinzip eines nachhaltigen Umgangs mit Rohstoffen. Er gilt auch als Schöpfer des Begriffs „Nachhaltigkeit“.
Was muss ich heute studieren, um Revierförster oder Revierförsterin zu werden?
Wer später als Revierförster oder -försterin mit starkem, praktischem Anteil arbeiten will, studiert klassischerweise Forstwirtschaft an einer Fachhochschule, zum Beispiel in Eberswalde oder Rottenburg. Das Universitätsstudium der Forstwissenschaften etwa in Tharandt oder Göttingen berechtigt eher zum höheren Dienst.
Wie hoch ist der Frauenanteil in der Forstwirtschaft?
Frauen arbeiten seit etwa 50 Jahren als Försterinnen in Westdeutschland; in Ostdeutschland war dies schon eher möglich. In den Landesforstverwaltungen liegt ihr Anteil aber nur bei durchschnittlich neun Prozent. Im Osten ist der Frauenanteil allgemein höher. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt liegt er bei 17 bis 20 Prozent. In Bayern und im Saarland dagegen bei unter fünf Prozent.
Früher waren Förster automatisch auch Jäger. Ist das immer noch so?
In der Regel brauchen Förster und Försterinnen heute keinen Jagdschein mehr, um ihren Beruf auszuüben; er ist aber durchaus von Vorteil. Für die Laufbahn als Revierförster ist der Jagdschein allerdings unabdingbar.
In welchen Berufen arbeitet, wer nicht Revierförster oder -försterin wird?
Da gibt es viele Möglichkeiten: Die Absolventen können in Umwelt- und Naturschutzorganisationen arbeiten, an Universitäten oder Forschungseinrichtungen, in der öffentlichen Verwaltung, in der Unternehmensberatung im Bereich Nachhaltigkeit und Umweltschutz, in der Waldpädagogik an Waldschulen und Umweltbildungseinrichtungen, als selbstständige Dienstleister, etwa in der Beratung von Waldbesitzern oder auch in der Holzindustrie. Kurz nach der Wende wollten etwa 90 Prozent der Studierenden unbedingt Revierförster werden, dieser Anteil ist heute in Eberswalde auf etwa 60 Prozent gesunken.
Wie haben sich die Studieninhalte im Laufe der Zeit verändert?
Nach dem Zweiten Weltkrieg lag der Schwerpunkt vor allem auf der praktischen Waldbewirtschaftung, der Holzernte, der Jagd und dem Wildtiermanagement. Zu diesen traditionellen Themen kommen heute moderne Themen wie nachhaltige Waldbewirtschaftung, Ökosystemleistungen, angewandter Naturschutz, Klimawandelanpassung und Biodiversität. Seit Anfang der 2000er Jahre haben Waldpädagogik und Öffentlichkeitsarbeit im Wahlpflichtbereich enorm an Bedeutung gewonnen. Waldpädagogik ist seit 1995 Pflichtaufgabe eines jeden Försters in Brandenburg. Seit 2012 kann man im Studium das bundesweit anerkannte Waldpädagogik-Zertifikat der Landesforsten erwerben, um später waldpädagogisch zu arbeiten.
Welche Herausforderungen müssen die Förster in Zukunft meistern?
Zukünftig werden Försterinnen und Förster vor allem mit den Auswirkungen des Klimawandels und der Globalisierung konfrontiert sein. Hier in Brandenburg bedeutet das der Umbau der kieferndominierten Wälder in naturnahe, klimawandeladaptive und stabile Waldökosysteme. //
Biologie
SMS von Mama: So entwickeln sich Pollen
3. Juli 2026
Woher weiß ein Pollen, was er werden soll? Wichtige Anweisungen dafür kommen offenbar als molekulare „SMS“ aus mütterlichem Pflanzengewebe.
natur PlusBiologie
»Wal auf sechs Uhr!«
2. Juli 2026
Um Wale zu beobachten, muss man nicht um die halbe Welt reisen. Es gibt sie auch an der Nordseeküste – die Schweinswale.