Bereits seit 1971 steht jedes Jahr ein Vogel im Rampenlicht: Mit dem Vogel des Jahres wollen der Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Landesbunds für Vogelschutz in Bayern (LBV) auf die Sorgen und Nöte der gefiederten Bewohner unseres Landes aufmerksam machen. Bis 2020 haben Experten die jeweilige Vogelart ausgesucht – doch dann entschieden sich die Veranstalter zu einer Demokratisierung: Vogelfreunde können durch ihre Stimmabgabe unter www.vogeldesjahres.de mitentscheiden, wer zum Symbolträger im folgenden Jahr ernannt wird. Die Experten des NABU suchen dazu unter den mehr als 300 Vogelarten Deutschlands jeweils fünf aus, für die abgestimmt werden kann.
Im vergangenen Jahr haben mehr als 143.000 Menschen an der Wahl teilgenommen und dabei den Wiedehopf zum Vogel des Jahres 2022 gekürt. „Wir freuen uns sehr, dass das Interesse an Naturschutz und der heimischen Vogelwelt so groß ist. Jetzt können wieder alle mitentscheiden, wer die Krone der Vogelwelt 2023 tragen soll”, sagt NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. Erneut steht jeder der fünf aktuellen Kandidaten für ein Naturschutzthema, das mehr Aufmerksamkeit braucht. „Vor allem bedrohen Klimakrise, Insektenschwund, intensive Landwirtschaft und der Verlust von naturnahem Grün die Bestände unserer Vogelarten“, sagt Miller.
Fünf gefiederte Stars zur Auswahl
Für den „Wahlkreis“ feuchte Wiesen, Brachen und Feldränder tritt das Braunkehlchen Saxicola rubetra an. Diese Zugvögel kommen jedes Jahr im April nach einer über 5000 Kilometer langen Reise aus Afrika in Deutschland an. Sie bauen ihre Nester in blütenreichen Wiesen und Brachen am Boden. Mit oft gemähten und intensiv genutzten Flächen haben sie entsprechend ein Problem, weshalb der Bestand des Braunkehlchens seit Jahrzehnten zurückgeht. Dieser Kandidat tritt deshalb mit dem Slogan an: “Wiesen wieder wilder machen!”
Beim nächsten Kandidaten handelt es sich um einen Vogel, der für seinen skurrilen Umgang mit seiner Beute bekannt ist: Der Neuntöter (Lanius collurio) spießt Insekten und sogar Mäuse an Weißdorn- und Brombeerstacheln auf, um Vorräte anzulegen. Leider hat er dazu immer weniger Gelegenheit in seinem Lebensraum, der aus Hecken und Sträuchern sowie dem Brach- und Offenland besteht. Das liegt am Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft, der eine der Hauptursachen für den Insektenschwund ist, schreibt der NABU. Dieser Kandidat „verkündet“ deshalb: “Schnabel auf für mehr Insekten!”





