Um Räubern zu entgehen, betreiben sie das Gegenteil von Tarnung: Manche Insekten oder ihre Larven machen durch knallige Farben oder Muster geradezu auf sich aufmerksam. Der Grund: Sie verkünden damit die Botschaft „Friss mich nicht, denn ich bin giftig und schmecke schlecht!“ Ein markantes Beispiel für dieses Konzept sind die auffällig gelb-schwarz gestreiften Raupen der Schmetterlingsart Tyria jacobaeae. Sie fressen das in Europa weitverbreitete Jakobskraut. Es handelt sich dabei um eine berüchtigte Giftpflanze, die bei Weidevieh Probleme verursachen kann. Doch den Jakobskrautbären-Raupen macht das Toxin nichts aus, im Gegenteil: Sie sammeln es in ihren Körpern an und nutzen es, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Denn ein Vogel vergreift sich in der Regel nur einmal an einer dieser Raupen. Er lernt, den üblen Geschmack und die unangenehme Giftwirkung mit dem auffälligen gelb-schwarzen Streifenmuster der Insekten zu verbinden.
Auf was achten erfahrene Vögel?
Im Rahmen ihrer Studie sind die Forscher um Callum McLellan von der University of Bristol nun der Frage nachgegangen, ob das Vermeidungsverhalten über das Aussehen der Raupen hinaus geht. Konkret: Lernen die Vögel auch, die Merkmale des gelb blühenden Jakobskrauts zu erkennen und mit der Negativerfahrung zu verbinden? Um dem nachzugehen, führten die Forscher Experimente im Freiland im Raum Bristol durch. Sie fertigten dazu Raupen-Attrappen an, um insektenfressende Vögel aus der Umgebung anzulocken. Die eine Version zeigte dabei das gelb-schwarze Streifenmuster der Jakobskrautbären-Raupen. Als Kontrolle dienten hingegen rein braune Beute-Attrappen. Beide Versionen setzten die Forscher auf Jakobskraut sowie zum Vergleich auf Pflanzen, auf denen die Raupen und auch andere giftige Insekten normalerweise nicht vorkommen: Brombeersträucher. Anschließend werteten sie aus, welche Kombination mit den meisten Vogelattacken auf die Attrappen verbunden war.
Es zeigte sich: Die Köder mit den natürlichen Warnfarben der Raupen – aber auch die „harmlos“ aussehenden Versionen wurden auf dem Jakobskraut deutlich seltener von insektenfressenden Vögeln wie Amsel, Meise und Co aufgegriffen. Auf den Brombeeren wagten sich die Vögel hingegen auch vergleichsweise häufig an die gelb-schwarz gestreiften Köder. Die Forscher folgerten daraus, dass die Räuber offenbar auch die Pflanzen selbst und nicht nur das Aussehen der Köder mit Gefahr oder Sicherheit verbinden. Um dies weiter zu untermauern, bezogen sie das wohl auffälligste Merkmal des Jakobskrauts in ihre Experimente ein: Sie entfernten die gelben Blüten bei einigen Versuchspflanzen und dekorierten mit diesen wiederum die Brombeersträucher.





