Den meisten Menschen hierzulande ist zwar bewusst, dass Probleme wie der Klimawandel und das Artensterben real und folgenschwer sind, doch um sich aktiv dagegen einzusetzen, reicht das häufig noch nicht aus. Denn viele der aktuellen Umweltprobleme finden (noch) nicht hier in Mitteleuropa statt und sind dadurch nur schwer greifbar. Diese geografische und emotionale Distanz wirkt sich auch auf die Spendenbereitschaft aus. Um Menschen für ihre Belange zu gewinnen, müssen Umweltorganisationen daher Wege finden, mit ihren Inhalte die bestehenden Distanzen zu überbrücken.
Text, Podcast, Video oder VR?
Forschende um Daniel Zimmermann von der Universität zu Köln haben in diesem Zusammenhang nun untersucht, auf welchem Ausspielweg sich Menschen am besten mit Umweltbotschaften erreichen lassen. Dazu präsentierten sie rund 130 Studienteilnehmern – eingeteilt in vier Gruppen – jeweils drei Kampagnenvideos der Umweltschutzorganisation Greenpeace. Darin ging es um konkrete Umweltprobleme in verschiedenen Naturregionen: um die starke Verschmutzung durch Plastikmüll rund um die Inneren Hebriden Schottlands, um die Bedrohung der arktischen Tier- und Pflanzenwelt durch den Rückgang des Eises und um die drohende Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes durch den geplanten Bau von mehr als 40 Staudämmen.
Nur eine der vier Teilnehmer-Gruppen sah die Kampagnenvideos jedoch so, wie sie ursprünglich produziert worden waren. Eine Gruppe bekam lediglich das Skript als Fließtext zu lesen, eine hörte ausschließlich die Audiospur als eine Art Podcast und eine durfte Virtual Reality-Versionen der Videos sehen. Dafür bekamen die entsprechenden Teilnehmer eine spezielle VR-Brille aufgesetzt und hatten dann einen 360 Grad-Blick innerhalb der in den Videos gezeigten Szenen. Anschließend wurden alle vier Gruppen gebeten, ihre Empfindungen, ihre Motivation, die Umwelt schützen zu wollen, und ihre Spendenbereitschaft für die präsentierten Kampagnen zu bewerten.
„Besondere Wirkkraft“ durch VR
Das Ergebnis: Im Vergleich zu den anderen Darstellungsformen gab die VR-Gruppe an, sich stärker in die dargestellten Szenen involviert und in die Erzählung eingebunden gefühlt zu haben, wie die Forschenden berichten. Außerdem war ihre Spendenbereitschaft deutlich höher als in den anderen drei Gruppen. „Erzählte Geschichten, hier am Beispiel von Umweltschutzkampagnen, können durch Virtual Reality eine besondere Wirkkraft entfalten. Diese intensive Erfahrung kann eigene Einstellungen und Verhaltensabsichten stärker beeinflussen als traditionelle Medienformate“, sagt Seniorautor Kai Kaspar.
Diese Erkenntnisse gewinnen vor allem dadurch an Relevanz, dass sich VR-Brillen oder VR-Aufsätze für Smartphones immer größerer Beliebtheit erfreuen und außerdem zunehmend erschwinglich sind. Dadurch wird Virtual Reality auch für Marketingkampagnen und sonstige Werbung immer wichtiger.





