Viren kollidieren bis zu fünf Mal mit einer lebenden Zelle bevor sie die Zellmembran endlich durchdringen. Bei jedem Angriff währt der Kontakt mit der Zellmembran nicht länger als eine Sekunde. Ist der Eindringling dann erst in der Zelle, erreicht er sein eigentliches Ziel, den Zellkern, meist innerhalb von Minuten – vermutlich indem er das Transportsystem im Inneren der Zelle benutzt. Das berichten Wissenschaftler um Christoph Bräuchle von der Ludwig-Maximilians-Universität München in der Fachzeitschrift Science (Bd. 294, Nr. 5548, S. 1929).
Die Forscher haben erstmals den Infektionsweg von Viren gefilmt, die mit einem einzelnen Farbstoffmolekül markiert waren. “Die Markierung mit nur einem Farbstoffmolekül minimiert die Störung der Wechselwirkung zwischen Zelle und Virus,” erklärt Bräuchle.
In vielen Fällen verlangsamten sich die Viren in unmittelbarer Nähe der Zelloberfläche. Dann erfolgte die mehrfache Berührung der Zelloberfläche vergleichbar mit dem mehrmaligen Klingeln an einer Haustür, sagt Bräuchle. “Bislang ist unklar, ob es sich um Bindungs- und Wiederfreigabevorgänge an einem Rezeptor oder um unspezifische Kontakte mit der Zelloberfläche handelt.”
Die Beobachtung einzelner Viren zeigte zudem, daß die Infektion erheblich schneller vonstatten geht als bisher angenommen ? innerhalb von Minuten anstatt von Stunden. “Viren sind clever. Sie benutzen das Transportsystem der Zelle, das aus so genannten Motorproteinen besteht. Indem sie sich auf den Rücken eines Motorproteins setzen, werden sie im Inneren der Zelle zum Kern transportiert”, erklärt Bräuchle.
Die Kenntnis der Bewegungsbahnen soll nun helfen, den Einsatz von Viren als Genfähren für die Gentherapie zu optimieren, so die Forscher.
Adam Bostanci





