Während des World Conservation Congress auf Hawaii hat die Weltnaturschutzunion IUCN die neue Ausgabe der Roten Liste der gefährdeten Arten vorgestellt. Sie zeugt davon, dass die Bedrohung für viele Tier- und Pflanzenarten weiter zugenommen hat. Von den 82.954 aufgelisteten Arten gelten inzwischen 23.928 als vom Aussterben bedroht. Zwar gibt es auch einige positive Nachrichten – unter anderem über die Großen Pandas – aber die schlechten überwiegen leider.
“Wir leben in einer Zeit des enormen Wandels und jedes Update der Roten Liste lässt uns erkennen, wie schnell die Krise des globalen Artensterbens eskaliert”, sagt IUCN-Generaldirektor Inger Andersen. “Der Artenschutz funktioniert und wir haben dafür auch Belege. Aber es ist unsere Verantwortung, unsere Bemühungen zu verstärken, um diesen Trend umzukehren und die Zukunft unseres Planeten zu schützen.”
Vier von sechs Menschenaffen-Arten vom Aussterben bedroht
Besonders gravierend ist die Situation bei den großen Menschenaffen. Die Zahl der Östlichen Flachlandgorillas (Gorilla beringei graueri) hat in den letzten 20 Jahren um mehr als 77 Prozent abgenommen, wie die IUCN berichtet. Inzwischen leben nur noch rund 3.800 dieser Menschenaffen in den Regenwäldern des Kongo, 1994 waren es noch 16.900. Die zweite Unterart des Östlichen Gorillas, der Berggorilla (Gorilla beringei beringei) hat sich zwar leicht erholt. Aber auch von ihm gibt es nur noch geschätzt 880 Exemplare.
Deswegen hat die IUCN den Östlichen Gorilla nun von “stark gefährdet” auf “vom Aussterben bedroht” heraufgestuft. “Den Östlichen Gorilla – einen unserer engsten Cousins – langsam in Richtung Aussterben rutschen zu sehen, ist wirklich erschütternd”, sagt Inger Andersen, Generaldirekt der IUCN. Jetzt stehen vier der sechs Menschenaffen nur noch einen Schritt vom Aussterben entfernt. Nur Schimpansen und Bonobos sind bisher in der etwas niedrigeren Gefährdungskategorie “stark gefährdet” gelistet.
Es trifft selbst Zebras und Antilopen
Die zunehmende Bedrohung bekommen inzwischen auch Tierarten zu spüren, die noch vor kurzem vermeintlich ohne Probleme waren. Zu ihnen gehört das Steppenzebra (Equus quagga) – eigentlich die häufigste Zebraart Afrikas. Doch auch seine Bestände sind in den letzten 14 Jahren um 24 Prozent gesunken, wie die IUCN berichtet. Noch gibt es rund 500.000 Exemplare dieser Pferdeverwandten, doch die meisten von ihnen leben in Schutzgebieten – und selbst dort sind sie nicht immer vor Wilderei geschützt.
Ähnlich ergeht es drei Arten der Ducker-Antilopen (Cephalophus), die nun von nicht gefährdet auf “potenziell gefährdet heraufgestuft wurde. Zwar sind die Bestände dieser Antilopen in Schutzgebieten relativ stabil, außerhalb dieser Gebiete aber schrumpfen sie durch illegale Jagd und den fortschreitenden Verlust ihres Lebensraums. “Die Wilderei und der Verlust der Lebensräume sind für viele Säugetiere die Hauptbedrohung”, erklärt Carlo Rondinini, IUCN-Koordinator für Säugetiere.





