Seit ein Erdbeben und der darauf folgende Tsunami das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi vernichtend trafen, läuft der Kampf gegen den GAU. Denn durch den Ausfall der Kühlung kam es in drei Reaktorblöcken zu Explosionen, einer Kernschmelze und der Freisetzung großer Mengen radioaktiver Nuklide. Seither kämpft der Kraftwerksbetreiber Tepco darum, die Lage im Griff zu behalten – mit gemischtem Erfolg.
Noch immer gefährlich
Rund 6000 Arbeiter arbeiten auf dem Gelände der Atomruine täglich daran, kontaminierte Trümmer und Bauteile abzubauen und die Pumpen und Anlagen zur Kühlung der Reaktoren zu betreiben. Denn in den Reaktorkernen der drei am stärksten betroffenen Blöcken verhindert nur die ständige Kühlung das Fortschreiten der Kernschmelze. Trotz Schutzanzug kann man sich an vielen Stellen der Anlage nur kurz aufhalten, die radioaktive Belastung ist zu hoch.
Was in Fukushima Daiichi getan wird und noch getan werden muss, das haben nun unter anderem Forscher der Gesellschaft für Reaktorsicherheit (GRS) in einem aktualisierten Bericht zusammengetragen. Er bestätigt: Noch immer setzt die Ruine des Kraftwerks Radioaktivität frei – sowohl in Grundwasser und Böden als auch in die Luft.
Verseuchtes Wasser und leckende Tanks
Eines der größten Probleme ist verseuchtes Wasser. Weil die Reaktorkerne ständig gekühlt werden müssen, das Kühlwasser aber durch undichte Stellen kontaminiert wird, fallen nach Angaben der Betreiberfirma Tepco täglich rund 700 Kubikmeter radioaktiv verseuchtes Wasser an. Das entspricht fast einem halben Schwimmbecken voll. Doch die Anlagen, die die Radionuklide aus dieser Brühe entfernen sollen, kommen bei dieser Menge nicht hinterher.
Deshalb müssen zurzeit auf dem Gelände fast 600.000 Kubikmeter kontaminiertes Wasser in Tanks gelagert werden, wie die GRS mitteilt. Das Problem: Viele dieser Tanks sind inzwischen undicht. Durch die Lecks in den Reaktorgebäuden gelangt weiterhin verseuchtes Wasser in die Umwelt – sowohl als schleichende Versickerung als auch in großen Schüben. Dabei wird Radioaktivität von einigen tausend bis zu mehreren hundert Millionen Becquerel in die Umwelt freigesetzt, wie die GRS berichtet. Das Grundwasser ist ihren Angaben nach mit 600.000 bis 3 Millionen Becquerel belastet.
Eisring und Brennstäbe
Um diese Probleme in den Griff zu bekommen, will Tepco in den nächsten Monaten weitere Anlagen zur Wasserreinigung in Betrieb nehmen, mit diesen soll dann auch radioaktives Strontium aus dem Wasser entfernt werden. Zudem soll ein Ring aus gefrorenem Boden Grundwasser und Boden unter der Anlage von der Umwelt abtrennen. Nach einem Fehlstart im Sommer 2014 hat Tepco zusätzliche Kühlrohre in die Erde verlegt und will nun im April 2015 mit dem Einfrieren beginnen.





