250 Selbstmorde und sechs Mordverbrechen könnten jährlich in Großbritannien verhindert werden, wenn psychisch kranke Menschen besser betreut würden. Zu diesem Ergebnis gelangte Louis Appleby von der Manchester University nach der Untersuchung von fast 6.000 Selbstmorden und 186 Morden, die sich in den Jahren 1996 bis 2000 in Großbritannien zugetragen haben.
Der Psychiater stellte in seinem Bericht heraus, dass ein Viertel all der Menschen, die Selbstmorde begingen zuvor in psychiatrischer Behandlung waren: 23 Prozent aller Selbstmorde erfolgten nach der Entlassung aus einer stationären Betreuung, 15 Prozent der psychisch kranken und selbstmordgefährdeten Menschen nahmen sich während des stationären Aufenthaltes das Leben. Die meisten von ihnen erhängten sich. Ein Fünftel der Selbstmorde wurde dadurch begünstigt, dass die Kranken aufhörten, ihre Medikamente einzunehmen.
In der Hälfte der untersuchten Mordverbrechen zeigte sich, dass die Mörder unter Persönlichkeitsstörungen und Drogenabhängigkeit litten. Psychisch Kranke, die z.B. an Schizophrenie erkrankt waren, traten als Mörder nicht in Erscheinung. Auch ging von den psychisch Kranken keine Gefahr für Fremde aus.
Für Jenny Shaw, die mit Appleby die Studie erstellte, drückt sich in den Zahlen aus, wie sehr die Gefahr durch psychisch Kranke für die Öffentlichkeit überschätzt wird. Auch würde deutlich, dass bestehende Risiken besser bewertet werden müssen und psychisch kranke Menschen nach einer Krankenhausbehandlung nicht sich selbst überlassen werden können. Die betreffenden Kranken müssten sich in der stationären Behandlung und danach sicher fühlen.
Alkohol- und Drogenabhängige sowie Menschen mit schwerwiegenden Persönlichkeitsstörungen bräuchten eine gezieltere Behandlung, um ein Risiko für die Öffentlichkeit auszuschließen. Die Autoren empfehlen außerdem die konsequente und regelmäßige Nachbehandlung von Risikopatienten, begrenzte Medikamentenvorräte um Überdosen zu verhindern, lokale Programme, die Suchtkranke nach ihrem stationären Aufenthalt auffangen sollen sowie eine Verbesserung und Überprüfung der Sicherheitsstandards in psychiatrischen Kliniken.
Marion Herzog





