Text: Oliver Abraham
Egal ob Small Talk oder Nachrichten: Es geht nicht ohne das Wetter. Wetter ist wichtig – und das nicht nur für das alltägliche Wohlbefinden. Wechselndes Wetter, als Folge einer tiefgreifenden Klimaveränderung, kann sogar ganze Kulturen vernichten. So werden unter anderem fehlende Sommerstürme als Ursache für den Untergang der mittelamerikanischen Maya-Kultur diskutiert. Die Regeneinbußen führten zu Wasserknappheit, die Ernte verdorrte und könnte so den Weg für den Niedergang der Hochkultur bereitet haben.
Aber was wissen wir eigentlich über das Wetter der Vergangenheit? „Historische Aufzeichnungen reichen bestenfalls ein paar Jahrhunderte zurück“, erklärt Sebastian Voigt. Er ist Leiter des Urweltmuseums GEOSKOP auf Burg Lichtenberg und hat gemeinsam mit seinem Kollegen Jan Fischer die Wanderausstellung „Versteinertes Wetter“ konzipiert. Dort können Besucher versteinerte Wettermerkmale sehen. Denn: „Steine sind das größte Wetterarchiv der Erde“, so Voigt, „fast jedes bekannte Wetterphänomen kann versteinerte Spuren hinterlassen.“
Bei Gewitter schlägt ein Blitz zum Beispiel mit bis zu 30.000 Grad Celsius in den Boden ein. Passiert das in freiliegendem Sand, wird dieser im Bereich um den Einschlag zu einer glasartigen Masse geschmolzen. Es entstehen Blitzröhren, die unter Umständen einige Tausend bis Hunderttausende Jahre später noch den Verlauf des Einschlags im Boden zeigen. Auch Regen kann konserviert werden: Kraterartige, münzgroße Vertiefungen mit Ringwulst sind die Überbleibsel gefallener Regentropfen im Schlamm. Durch ihr Aussehen können Forschende Rückschlüsse auf Erosion, die Verteilung von Mikroorganismen im Boden oder sogar die Luftdichte ziehen. Denn die Größe der Einschlagskrater der Regentropfen zeigt, mit welcher Geschwindigkeit die Tropfen gefallen sind – was wiederum von der Luftdichte abhängt. Je geringer diese ist, desto schneller fallen die Regentropfen und desto größer ist der Krater. Die Versteinerungen deuten außerdem darauf hin, dass es nach dem Schauer schnell und lange trocken gewesen sein muss. Sonst hätte der Sand die Strukturen nicht bedeckt und sie wären nicht versteinert.
Hagel und Frost in Stein
Ein Hagelkorn hingegen hinterlässt andere Marken als ein Regentropfen. Denn: „Hagel ist durchschnittlich größer, schlägt tiefer und die Einschlagfläche ist uneben-irregulär. Versteinerte Hagelschlagmarken gehören zu den seltensten Wetterphänomenen, weil sehr viele günstige Bedingungen zusammentreffen müssen, dass die Marken erhalten bleiben“, erklärt Voigt. Dafür muss es nach dem Hagel warm genug sein, damit das Eis schmilzt und das Sediment trocknet. Außerdem muss verwehter Sand oder Schlamm die Krater füllen, sodass sie erhalten bleiben und versteinern können. Das Hauptproblem ist aber, dass auf Hagel meist Regen folgt, der die Marken verwässert oder vollständig unkenntlich macht.





