Forscher des Massachusetts General Hospital ( MGH) haben in Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Rutgers University Newark mittels Gehirnscans gezeigt, dass die verschiedenen in das Lernen involvierten Gehirnsysteme miteinander konkurrieren. Dabei hängt es von der Art des Lernens ab, welches System dominiert. Die Erkenntnisse der Studie können zu neuen Strategien führen, Lernstörungen zu behandeln und die Diagnose von Alzheimer, Parkinson und anderen Gehirnstörungen zu verbessern.
Verschiedene Gehirnstrukturen sind in verschiedene Lernmuster involviert: der mediale Schläfenlappen, zu dem auch der Hippocampus gehört, ist mit dem so genannten expliziten Lernen verbunden. Dabei handelt es sich um bewusstes Lernen sowie das Speichern der Lerninhalte in dem so genannten expliziten Gedächtnis. Hier wird beispielsweise Fachwissen abgelegt. Eine andere Region, die Basalganglien, ist für das “implizite” Lernen zuständig. Dieses umfasst unbewusstes Lernen, wie etwa das Speichern von Assoziationen im impliziten Gedächtnis. “Dass diese beiden Systeme miteinander konkurrieren können, wurde schon in Tierversuchen beobachtet. Wir wollten sehen, ob dies bei Menschen genauso ist”, sagte Russ Poldrack, Leiter der Studie. Tatsächlich ist nach der Studie, die in der aktuellen Ausgabe von Nature (Bd. 414, S. 546) erscheint, die erhöhte Aktivität beim Lernen in dem einen Gehirnsystem mit einer verminderten Aktivität in dem anderen System assoziiert.
Weiter zeigte sich, dass bei der Betrachtung des zeitlichen Verlaufs der Gehirnaktivitäten, auch bei implizitem Lernen der Hippocampus aktiv ist. Erst mit der Zeit nimmt die Aktivität in den medialen Schläfenlappen ab und in den Basalganglien zu. Bisher nahm man an, dass implizites Lernen ausschließlich in den Basalganglien stattfindet.
Die Co-Autoren Mark Gluck und Catherine Myers haben die Theorie entwickelt, dass der Hippocampus in alle Lernsituationen einbezogen wird und verantwortlich dafür ist zu bestimmen, wie neue Informationen in unterschiedlichen Gehirnregionen gespeichert werden. Gluck erklärt: “Die gegenwärtigen Ergebnisse liefern die ersten funktionellen Gehirnabbildungsdaten, die diese Theorie stützen. Der Hippocampus wird in den frühesten Stadien des Lernens aktiviert, wenn neue Informationen, egal welcher Art, etabliert werden.”
Nicole Waschke





