Ganz der Papa und die gleichen Augen wie die Mama! Wenn wir Menschen ein Kind mit seinen Eltern sehen, suchen wir oft unwillkürlich nach Ähnlichkeiten – und finden sie meist auch. Denn die Ausprägung unserer Gesichtszüge ist zum großen Teil erblich – und das hat durchaus eine biologische Funktion: Instinktiv erkannten so schon unsere Vorfahren, ob ein ihnen unbekannter Mensch zu ihrer Sippe gehörte und sie ihm daher Vertrauen entgegenbringen können oder nicht. Doch diese Familienähnlichkeit kann auch Nachteile haben – beispielsweise, wenn sie verrät, dass ein Kind ein Kuckuckskind ist. In manchen Gesellschaften kann dies dazu führen, dass der vermeintliche Vater den Nachwuchs verstößt oder schlechter behandelt.
Wann tritt bei Affen die Familienähnlichkeit zutage?
Ähnlich ist es auch bei Tieren. Hier kann es sogar zu Kindstötungen kommen, wenn ein Männchen Jungtiere als nicht von ihm abstammend erkennt. Umgekehrt aber ist es wichtig, dass sich Verwandte gegenseitig erkennen, um beispielsweise Inzucht zu vermeiden. Damit gleicht die Familienähnlichkeit einem zweischneiden Schwert – sie hat Vorteile, kann aber gerade für Jungtiere und Kinder sogar tödlich sein. Biologen gehen deshalb davon aus, dass die Natur je nach Sozialverhalten einer Spezies eine Art Kompromiss eingeht: Die Ähnlichkeit zu Vater oder Mutter tritt oft erst dann zutage, wenn der Nachwuchs aus dem Gröbsten raus ist. Je größer die Gefahr einer Vernachlässigung oder gar Tötung für die Jungtiere ist, desto später zeigen sich erst ihre Familienmerkmale.
Bei uns Menschen ist dies etwa in der Mitte der Kindheit der Fall, wie Experimente belegen. “Fehlende oder (noch) nicht erkennbare Hinweise auf eine Verwandtschaft bei Kleinkindern erzeugen eine Mehrdeutigkeit, die Kinder und Jugendliche vor Diskriminierung durch potenziell nicht verwandte Erwachsene schützt“, erklärt Anahita Kazem vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie und der Universität Leipzig. Aber wie ist dies mit unseren engen Verwandten, den Affen? Das haben nun Kazem und ihr Team am Beispiel von Rhesusaffen untersucht. Für ihre Studie stellten sie menschliche Probanden vor die Aufgabe, digitale Portraits von Rhesusaffen-Jungtieren deren Eltern zuzuordnen. Aus Vorversuchen war bereits bekannt, dass Menschen Ähnlichkeiten zwischen einander verwandten Rhesusaffen erkennen können – zumindest bei erwachsenen Tieren. Die Frage war nun, ab welchem Alter die Gesichtszüge der Jungtiere ihre Zugehörigkeit zu einem Vater oder Mutter verrieten.






