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Verborgene Insektenvielfalt im Inneren von Grashalmen
Biologie

Verborgene Insektenvielfalt im Inneren von Grashalmen

Sie sind von außen meist nicht zu sehen, aber zahlreich: In den Halmen mehrjähriger Gräser lebt eine verborgenen Vielfalt von Insekten – von Gallmücken, Käfern und kleinen Fliegen bis zu Erz- und Zehrwespen, die diese Halmbewohner parasitieren. Das haben Biologen entdeckt, als sie das Innenleben von mehr als 23.000 Grashalmen untersuchten. Ihre Resultate zeigen jedoch auch: Diese Vielfalt findet sich nur in mehrjährigen Gräsern. Werden Wiesen häufig gemäht, fehlen den Insekten diese Refugien.
Autor
Nadja Podbregar
16. Februar 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Biologie

Insekten haben es heutzutage schwer: In den Feldfluren herrschen oft Monokulturen, durch die sie schwer Nahrung und Lebensraum finden. Pestizide beeinträchtigen ihre Fortpflanzung, Orientierung und Überleben und auch die Überdüngung und intensive Bewirtschaftung vieler Weiden und Grasflächen schränkt ihre Lebenschancen und Vielfalt ein. Als Folge ist die Zahl der Insekten in Deutschland und vielen anderen Ländern zurückgegangen. Viele Studien zur Insekten-Biodiversität konzentrieren sich jedoch auf fliegende Arten oder andere mittels Fallen leicht untersuchbare Arten.

Insektensuche im Inneren von Grashalmen

Doch es gibt vor allem im Grasland viele Insekten, die dabei außen vor bleiben: „Gräser sind bekannte Wirtspflanzen für äußerlich an ihnen fressende Insekten wie Grashüpfer oder Wanzen. Aber die endophagen, in den Wurzeln lebenden oder Gallen erzeugenden Insekten werden oft kaum beachtet“, erklären Teja Tscharntke von der Universität Göttingen und seine Kollegen. Um dies zu ändern, haben die Biologen mehr als 23.000 Halme von bei uns häufigen Grasarten auf ihr Innenleben hin untersucht.

Unter den beprobten Grasspezies waren fünf einjährige Grasarten wie der Ackerfuchsschwanz und der Windhalm sowie zehn mehrjährige Arten wie Knäuelgras und Quecke. Das Team sammelte die Grashalme im Herbst und Winter und präparierte die in den Halmen lebenden Insekten und Insektenlarven heraus. Die Larven züchteten sie im Labor weiter, um dann anhand der ausgewachsenen Tiere die Arten genauer bestimmen zu können. Für die identifizierten Insekten ermittelten sie dann, in welcher Position im Nahrungsnetz sie stehen.

Erstaunliche Vielfalt – aber nur in mehrjährigen Gräsern

Die Bestandsaufnahme enthüllte eine erstaunliche Vielfalt an Grasbewohnern: „In den zehn mehrjährigen Grasarten haben wir insgesamt 83 pflanzenfressende Arten und 172 parasitoide Insektenspezies gefunden“, berichten Tscharntke und seine Kollegen. Zu den häufigen Pflanzenfressern gehörten Gallmücken und Halmfliegen, die vor allem als Larven in den Halmen überwintern. Die Parasitoide waren meist Wespen wie die Erz- und Zehrwespen, die ihre Eier in die herbivoren Insekten legen und diese letztlich töten. Im Durchschnitt zählten die Biologen in jeder mehrjährigen Gras-Art knapp zwölf pflanzenfressende Insekten-Arten und 30 Arten parasitischer Wespen. Je länger die Halme waren, desto größer war die Vielfalt der sie bewohnenden Insekten.

Erstaunlich jedoch: In den Halmen der fünf einjährigen Grasarten fanden Tscharntke und sein Team nicht ein einziges Insekt. Dies war selbst dann der Fall, wenn die einjährigen Gräser ähnlich lange Halme aufwiesen wie die mehrjährigen. „Diese strikte Zweiteilung zwischen einjährigen und mehrjährigen Gräsern war überraschend“, schreibt das Team. Sie sehen dafür mehrere mögliche Gründe. Zum einen bieten die mehrjährigen Gräser eine verlässlichere Ressource, weil sie über längere Zeit am selben Ort aufzufinden sind. Hinzu kommt, dass die mehrjährigen Gräser im Schnitt größer sind und dickere Halme besitzen. Dies bietet vor allem größeren Insektenarten mehr Nahrung und Raum für die Larven.

Ungemähte Bereiche sind wichtig

Nach Ansicht von Tscharntke und seinen Kollegen unterstreiche diese Ergebnisse, wie wichtig es ist, wenigsten Teile der Weiden und Wiesen längere Zeit ungemäht zu lassen. Nur dann finden die halmbewohnenden Insekten dort die Refugien, die sie für ihr Überleben benötigen. „Der versteckte Reichtum an Insekten-Arten in Grashalmen wird von der Grünlandbewirtschaftung leider weitgehend ignoriert, obwohl die meisten Arten auf die ungestörte Entwicklung von Gräsern angewiesen sind“, sagt Tscharntke. Regelmäßiges Mähen bedrohe die Vielfalt der vielen, stark spezialisierten Insekten in den Gräsern.

Quelle: Georg-August-Universität Göttingen; Fachartikel: Basic and Applied Ecology, doi: 10.1016/j.baae.2026.01.004

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