Die Virotherapie ist eine Form der Krebsbehandlung, bei der Viren eingesetzt werden, um Tumore zu zerstören. Jetzt haben Wissenschaftler der Mayo Clinic in Rochester ein Verfahren entwickelt, mit dem sie den Verlauf dieser Therapie besser kontrollieren können. Dazu werden die Viren mit einem Gen ausgestattet, das zur Produktion leicht messbarer Proteine im Blut führt. Das berichten die Forscher im Fachjournal Nature Medicine (Bd. 8, S. 527).
Stephen Russell und sein Team arbeiteten mit abgeschwächten Masernviren, die sich nur in Krebszellen vermehren und dadurch Tumore zerstören können. Das Problem bei diesen Therapieversuchen besteht darin, dass sich die für den Behandlungserfolg notwendige Vermehrung der Viren im Patienten nicht kontrollieren lässt. Das erschwert es, die für jeden Patienten unterschiedliche optimale Virendosis zu ermitteln. “Ob die Viren in die Krebszellen gelangen, wie sie sich ausbreiten und wie schnell sie eliminiert werden – diese Fragen konnten wir bisher nicht beantworten”, sagt Russell.
Die Wissenschaftler bauten ein zusätzliches Gen in das Masernvirus ein. Es bewirkt, dass infizierte Zellen einen inaktiven Bestandteil eines Schwangerschaftshormons ins Blut ausscheiden. Ein anderes, gleichermaßen eingesetztes Gen führt zur Bildung eines ebenfalls wirkungslosen embryonalen Proteins. Für beide Genprodukte gibt es bereits zuverlässige und sehr empfindliche Nachweismethoden. Versuche mit Mäusen haben gezeigt, dass die durch die genetisch veränderten Viren gebildeten Proteine keine Immunreaktionen auslösen und die Virusvermehrung in den Tumoren nicht hemmen. Die Konzentration der Proteine im Blut erwies sich als direktes Maß für die Zahl der Virus-infizierten Zellen.
“Wir helfen dem Arzt, die Behandlung zu beurteilen, denn er erhält ein Feedback vom Körper des Patienten darüber, was das Virus tut”, sagt Kah-Whye Peng, ein Mitarbeiter des Teams. Als nächstes wollen die Wissenschaftler die veränderten Viren in Versuchen mit Tumorpatienten testen.
Joachim Czichos





