Als die Biologen um Andrei Seluanov von der Universität Rochester die Anreicherung des Zuckermoleküls unterdrückten oder die entsprechenden Rezeptoren blockierten, wurden Zellen von Nacktmullen zu ähnlich übermäßigem Wachstum angeregt werden wie Zellen von Mäusen. Die Gruppe folgerte daraus, dass sich Kontrollmechanismus der Nacktmulle möglicherweise für die Entwicklung neuer Krebstherapien nutzen ließe.
Dass Zellen von Nacktmullen sehr empfindlich auf andere Zellen reagieren, indem sie in einer Zellkultur schon bei vereinzeltem Kontakt ihr Wachstum drosseln, hatte Seluanovs Gruppe schon früher berichtet. Das nun identifizierte Molekül fanden die Forscher eher zufällig, als sie der Ursache für häufig verstopfte Schläuche und Pumpen in ihren Zellkulturen nachgingen.
Offenbar bilden Nacktmull-Zellen eine Hyaluronsäure-Variante, die aus bis zu 33.000 Zweifachzucker-Bausteinen besteht und somit wesentlich länger ist als ihr Pendant bei Mäusen und Menschen. Kleinste Veränderungen in einem Enzym, das die Hyaluronsäure produziert sind dafür verantwortlich. Und die Hyaluronsäure abbauenden Enzyme arbeiten bei Nacktmullen eher träge, sodass sich das Molekül im Raum zwischen den Zellen anreichert. Bindet das Molekül an einen Rezeptor auf der Oberfläche der Zellen (CD44), hemmt es deren Wachstum und löst im Falle einer bereits erhöhten Zelldichte den zellulären Selbstmord aus.
Seluanov und Kollegen können sich vorstellen, dass die geringe Tumorneigung der Nacktmulle nur ein Nebeneffekt einer anderen Entwicklung ist: „Wir halten es für möglich, dass die Evolution bei Nacktmullen zur Anreichung von Hyaluronsäure in der Haut geführt hat, um ihr die nötige Elastizität für das Leben in unterirdischen Gängen zu verleihen”. Die Frage, ob hochmolekulare Hyaluronsäure auch beim Menschen nutzbringend eingesetzt werden könnte, ist derzeit allerdings noch offen.
Foto: Wikipedia/ Ltshears – Trisha M Shears





