Der Blick richtete sich auf das geheimnisvolle Erdzeitalter des Kambriums: In der Zeit von vor 541 bis 485 Millionen Jahren kam die Evolution so richtig ins Laufen – in den Meeren entstanden die Urformen fast aller heutigen Tierstämme. Es gab im Kambrium aber auch Lebewesen, die Paläontologen nicht eindeutig in den Baum des Lebens einordnen können. Ein solcher Fall war bisher ein seltsames Lebewesen, das seit dreißig Jahren aus verschieden Funden bekannt ist: Facivermis yunnanicus war etwa zehn Zentimeter lang, besaß fünf Paare stacheliger Arme im Kopfbereich und am Ende seines wurmartigen Körpers eine seltsame Verdickung. Diese Merkmalskombination hat zu einer Debatte über die evolutionsgeschichtliche Zuordnung von Facivermis geführt.
Ein Rätsel-Wesen im Visier
Einige Forscher maßen diesem Wesen wegen der Gliedmaßen im Kopfbereich eine große Bedeutung für die Evolutionsforschung bei: Sie vermuteten, dass es sich um eine Übergangsform bei der Entwicklung von beinlosen Würmern zu den sogenannten Lobopoden gehandelt hat. Diese „Lappenfüßer“ besaßen entlang ihres gesamten Körpers Paare teils langer Beinstrukturen, mit denen sie über den Grund der kambrischen Meere krabbelten. Die Lobopoden gelten deshalb als die Urahnen der Gliedertiere, zu denen die heutigen Krebse und Insekten gehören.
Doch war Facivermis wirklich ein Bindeglied bei der Evolution von den Würmern zu den frühen Krabbeltieren? Ein Forscherteam um Richard Howard von der University of Exeter hat dem Rätsel-Wesen nun erneut eine Studie gewidmet. Die Grundlage bildeten dabei neue Facivermis-Fossilien aus dem südlichen China, die zuvor unbekannte Details der Strukturen und Lebensweise dieses Tieres zeigen.
“Den wichtigsten Hinweis lieferte ein Fossil, bei dem sich abzeichnet, dass der untere Teil des Tieres in einer Röhre steckte”, berichtet Howard. Daraus schlossen die Wissenschaftler: Facivermis lebte sesshaft am Meeresboden. Dabei diente ihm sein birnenförmig verdicktes Schwanzende wohl zur Verankerung im Untergrund und mit seinen Armen im Kopfbereich fischte Facivermis vermutlich Nahrung aus dem Wasser, erklären die Forscher.






