Im Laufe ihrer 4,6 Milliarden Jahre langen Geschichte hat die Erde immer wieder Treffer durch Asteroiden, Kometen oder Meteoriten durchlebt. Einige davon hinterließen Krater, die bis heute sichtbar sind, darunter das Sudbury-Becken in Kanada, der Barringer-Krater in den USA oder auch das Nördlinger Ries in Deutschland. Doch gerade viele ältere Einschlagskrater sind im Laufe der Zeit durch die Erosion oder die Bewegungen der Erdkruste im Rahmen der Plattentektonik soweit abgetragen und eingeebnet, dass sie nicht mehr nachweisbar sind. “Als Folge ist es schwer, Zusammenhänge zwischen Einschlagsereignissen und abrupten Veränderungen der Atmosphäre, Ozeane, Lithosphäre und der Lebenswelt nachzuweisen”, erklären Timmons Erickson vom Johnson Space Center der NASA und seine Kollegen. Doch der Einschlag des Chicxulub-Asteroiden, der vor rund 66 Millionen Jahren die Ära der Dinosaurier beendete und ein weltweites Massensterben auslöste, demonstriert, dass solche Ereignisse durchaus das Potenzial haben, globale Folgen zu hinterlassen.
Yarrabubba: Einschlag vor 2,229 Milliarden Jahren
Ein weiteres Beispiel für solche folgenreichen Einschlagsereignisse könnten Erickson und sein Team nun in Westaustralien identifiziert haben. Schon vor längerer Zeit wurden dort die Überreste eines großen Kraters in einer Gesteinsformation aus dem Erdaltertum gefunden. Der Yarrabubba-Krater ist mit bloßem Auge nicht mehr als solcher zu erkennen, zeigt sich aber in Form einer ausgedehnten, rund 20 Kilometer großen Magnetanomalie im Untergrund. “Sie wird als Überrest des tief vergrabenen Zentralbergs der Struktur angesehen, woraus sich eine ursprüngliche Kratergröße von 70 Kilometer Durchmesser ergibt”, erklären die Forscher. Funde von durch Druck und Hitze verändertem Quarz und Gesteinstrümmern deuteten ebenfalls auf einen vergangenen Einschlag hin. Doch wann dieser Impakt stattfand, blieb unklar. Aufgrund der alten Gesteinsschichten, die teilweise über den Kraterresten liegen, ging man zwar von einem relativ hohen Alter von mindestens 1,2 Milliarde Jahren aus. Eine nähere Einordnung aber blieb zunächst aus.
Jetzt haben Erickson und sein Team diese Altersbestimmung nachgeholt. Dafür analysierten sie kleine Körnchen der Minerale Zirkon und Monazit, die Anzeichen einer abrupten Kompression durch den Einschlag aufwiesen. Diese geschockten Minerale unterzogen die Forscher verschiedenen Mikrostrukturanalysen und datierten sie mit Hilfe der Uran-Blei-Datierung. Die Analysen bestätigten, dass diese Körnchen einen Einschlag erlebt haben und dass dieser vor rund 2,229 Milliarden Jahren stattgefunden haben muss. “Diese Ergebnisse etablieren Yarrabubba als den ältesten erhaltenen Einschlagskrater der Erde”, konstatieren Erickson und seine Kollegen. Er sei rund 200 Millionen Jahre älter als der bisher älteste datierte Krater, der 2,023 Milliarden Jahre alte Vredefort-Dom in Südafrika. Zwar gibt es geologische Hinweise auf noch ältere Einschläge, bisher aber wurden dafür noch keine zugehörenden Krater identifiziert.





