Zarte Pfeiftönchen bringt der Dompfaff hervor. Könnte man bei so einem imposant gefärbten Vogel kaum vermuten, dass er statt eines wuchtigen Hallenfüllers nur eine Fistelstimme zum Besten gibt. Damit macht er es einem Aspiranten in der Vogelhörkunst nicht gerade leicht. Wie passen Antlitz und Stimme zusammen? Leicht sind dagegen Kuckuck und Zilpzalp, tragen sie doch ihren Gesang quasi bereits im Namen. Kein Zweifel: Je näher man den Vögeln kommt, desto größer wird die Faszination für die Tiere. So wie in diesem Buch. Es ist mitnichten ein Bestimmungsbuch, auch reiht es nicht Anekdoten aus dem Verhaltensrepertoire heimischer Vögel einfach aneinander. Es ist ein persönliches Buch, so bunt wie ein Stieglitz; die Autorin nimmt den Leser mit auf eine begeisternde Reise in die Vogelwelt. Dabei geht sie in ihren eigenen Fußstapfen, schreitet mächtig aus und lenkt den Blick – und eben manchmal das Ohr – auf die Arten rechts und links des Weges. Da begegnen wir Heckenbraunelle und Turmfalke genauso wie Blauracke und Bienenfresser. Natürlich auch dem Dompfaff. Kurzum: Für denjenigen, der die Faszination vor die Akribie stellt, ist es die richtige Lektüre. Und vielleicht ein Ausgangspunkt, sich selbst bewusster seinen gefiederten Nachbarn zu widmen. Damit er sie nicht mehr nur achtlos wahrnimmt wie Blätterwirbel am Straßenrand oder Wolken am Himmel.
Johanna Romberg
Federnlesen
Lübbe. 304 Seiten, 24 €





