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Unter der Sonne Kalabriens
Über Jahrtausende hat die Zitronatzitrone – Kalabriens Identifikationsfrucht schlechthin – trotz Abwanderungswellen, Massentourismus und Schädlingen überlebt und Brücken zwischen Kulturen geschlagen. Agri-Photovoltaik soll die antike Frucht nun vor dem Klimawandel schützen und Arbeitsplätze für die junge Generation schaffen.
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Text: Julia Reichardt
Antonio Lancellotta, 37, steht auf der Bühne der Innovationskonferenz TEDx in Messina und berichtet, wie er in Kalabrien, Italiens äußerstem Südwesten, brachliegende Felder wieder zum Leben erweckt. Auf YouTube steht das Video seiner Rede. Das Wort „Agrivoltore“, erklärt Lancelotta, stehe noch nicht einmal im Lexikon, es bedeute: Landwirt und Elektriker in einer Person. Er arbeite auf einer Fläche, auf der man Landwirtschaft betreibe und zugleich Solarstrom erzeuge – eine Doppelnutzung ein und desselben Stück Lands. Vor nicht einmal 15 Jahren, erzählt Lancellotta, sei sein Vater auf der Suche nach Investoren für ein Agri-Photovoltaik-Gewächshaus noch bei großen Energiekonzernen abgeblitzt: „Das geht nicht, zu innovativ, zu viele Risiken, zu viel Verantwortung. Nein!“
Auch viele Landwirte seien skeptisch gewesen. „Unter Solarmodulen wird doch nie etwas wachsen, die Pflanzen können keine Fotosynthese betreiben“, so ihre Befürchtung. Ein kleines Energieunternehmen jedoch, sagt er, habe den Schritt mit ihnen gewagt. Als Anbaukultur hätte es eine antike Frucht gewählt, die typisch für Kalabrien sei: die Zitronatzitrone (Citrus medica). Genauer: die Cedro liscio diamante, die Sorte Glattdiamant.
Im Schutz der Berge
Ein ganzer Küstenstrich in Kalabrien ist nach der Zitronatzitrone benannt, 40 Kilometer zwischen Tortora und Belvedere mit insgesamt 24 Gemeinden. Die Kleinstadt Scalea ist eine davon: Auf der einen Seite die idyllische mittelalterliche Hügelstadt, die sich an den Apennin anschmiegt. Auf der anderen das Tyrrhenische Meer mit Kieselstränden und Neubauten. In einige Gebäude hat die Salzluft bereits tiefe Löcher gebissen, der Mörtel schaut heraus. In den Gärten wachsen Granatapfel- und Feigenbäume.
Im Winter müssten sie nur wenige Tage heizen, sagt Cedro-Bauer Francesco Annuzzi, grauer Vollbart, sonnengebräunte Haut. „Was das Klima angeht, ist diese Region vom Glück geküsst.“ Seit 40 Jahren baut Annuzzi am Ufer des Lao-Flusses seine Zitronatzitronen an. Fünf Kilo habe seine bisher größte Frucht gewogen, erzählt er und schaut hinauf zu den kahlen, ockerfarbenen Gipfeln der Monti di Orsomarso, der südlichsten Bergkette des Apennins, die bis zu 2.000 Meter in die Höhe ragen. „Die Berge schützen uns vor den kalten Balkanwinden“, sagt er. Drüben, auf der anderen Seite des Gebirgszugs, wären die Cedri schutzlos den kalten Nordwinden ausgesetzt und würden erfrieren.
Italiens Ur-Zitrone
Im Lesesaal von Scaleas Bibliothek, die in einem mittelalterlichen Palazzo in der Altstadt untergebracht ist, sind die Fenster weit geöffnet, man blickt hinab aufs Tyrrhenische Meer. Die Bibliothekarin sucht aus einer Glasvitrine ein Buch über die Cedro heraus. Autor: Franco Galliano, Gründer der Internationalen Cedro-Akademie in Santa Maria del Cedro. Die Zitronatzitrone zählt neben der Pampelmuse und der Mandarine zu den drei Ur-Zitronen. Ihre ursprüngliche Heimat ist China oder die indische Himalaya-Region, schreibt Galliano.
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Die Archäobotanikerin Dafna Langgut von der Tel Aviv University verfolgte die Fährte weiter: In einer Studie, die sie in der Fachzeitschrift Palynology veröffentlichte, berichtet sie, dass sie in den 2010er Jahren in Jerusalem fossile Cedri-Pollen im Gips-Putz eines persischen Palastgartens entdeckte, dessen Mauern vor rund 2.500 Jahren errichtet worden waren. Auch Weiden- und Myrte-Pollen fand sie dort. Aus diesen drei Pflanzen sowie Dattelpalmzweigen binden Juden den Feststrauß für ihr Laubhüttenfest. Mit dem Fest erinnern sie an ihre Nomadenzeit in der Wüste.
Erst nach der Eroberung Jerusalems im Jahre 70 n. Chr. gelangte die Cedro – vermutlich im Gepäck jüdischer Migranten – nach Kalabrien. In der kalabrischen Stadt Bova Marina schmückt ein Mosaik der Zitronatzitrone den Boden von Italiens zweitältester Synagoge, errichtet im 4. Jahrhundert, heute eine Ruine.
Noch im 5. Jahrhundert berichtet der römische Obstplantagenbesitzer Palladius Rutilius Taurus Aemilianus in einer Schrift über die Landwirtschaft, dass die Cedro die einzige Zitrusfrucht sei, die in Italien angebaut werde. Bitterorangen und Zitronen führten erst die Araber im 9. Jahrhundert nach Italien ein.
Die Juden wurden während der Spanischen Inquisition ab 1500 n. Chr. aus dem damals noch unter spanischer Krone stehenden Süditalien vertrieben. Die Cedro aber, die sie einst eingeführt hatten, blieb. Heute gibt es in Kalabrien keine orthodoxe jüdische Gemeinde mehr. Doch jedes Jahr reisen Rabbiner der Chabad-Bewegung aus aller Welt nach Kalabrien, um die schönsten Früchte für das Laubhüttenfest auszuwählen. Cedri hierfür werden auch in Israel, Marokko und auf Korfu angebaut. Laut der Jüdischen Allgemeinen sei Kalabrien für orthodoxe Juden die beliebteste Cedro-Quelle.
Brückenbauerin zwischen den Kulturen
Auch in diesem Jahr waren die Rabbiner bei ihm, sagt Cedro-Bauer Franco Annuzzi, trotz des Krieges. 60 Prozent seiner Früchte baue er nur für sie an, 40 Prozent gingen an die Industrie, die aus den dicken Schalen Zitronat und Parfüm herstelle. Deutschland sei einer der Hauptimporteure. Zwei Monate pro Jahr arbeite er mit den Rabbinern zusammen. „Wir ernten die Cedri noch grün“, erzählt er. Die Rabbis kontrollierten, ob Bäume und Früchte koscher seien und die Regeln des jüdischen Speisegesetzes (Kaschrut) erfüllten. Die Cedro habe seinen Horizont erweitert. „Vorher habe ich nichts über die jüdische Religion gewusst“, sagt Annuzzi.
Über die Frucht seien sogar Freundschaften entstanden. Einer seiner Kunden, erzählt er, sei bereits als Kind mit seinem Vater bei ihm auf dem Feld gewesen; inzwischen sei er erwachsen und selbst Rabbiner einer großen New Yorker Synagoge. Von der Familie eines weiteren Kunden, sagt er, kenne er inzwischen sogar die vierte Generation.
Ein Rabbiner habe ihn auch zum Laubhüttenfest eingeladen in die Mailänder Synagoge: „Als ich dort meine Cedro in einem silbernen Kasten auf dem Altar liegen sah“, sagt er, „war ich sehr stolz.“ Vier harte Jahre habe es gedauert, bis es ihm gelungen sei, Früchte dieser Qualität zu ernten. Nach jüdischem Glauben symbolisiert die Cedro die verbotene Frucht, von der Adam im Garten Eden einen Biss nahm. Ihr Anblick soll bei den Gläubigen begangene Sünden in Erinnerung rufen. Nach dem Fest, sagt Annuzzi, koche man aus der Cedro koschere Marmelade.
Traditioneller Anbau
Während der Auswanderungswelle der 1960er Jahre, erzählt Annuzzi, wurde der Cedro-Anbau in Kalabrien fast aufgegeben. „Es ist keine schöne Arbeit, sie ist hart, ich mache alles per Hand, oft bei 40 Grad in der prallen Sonne“, sagt er und erklärt: Die Cedri für die Rabbis müssen makellos sein, im Morgenschatten kann man ihre Mängel aber nicht sehen. Und Maschinen würden sie nur verletzen. Schon sein Vater, erzählt Annuzzi, habe Cedri angebaut. Er selbst habe seine vier Kinder aber zum Studium nach Norditalien geschickt. „Ich wollte nicht“, sagt er, „dass meine Kinder diese Arbeit machen.“
Wer in Süditalien geboren wird, wächst mit der Idee auf, zu flüchten, schrieb der süditalienische Autor Roberto Saviano bereits vor rund 20 Jahren.
Als in den 1980er Jahren in Scalea der Massentourismus einsetzte, verkauften viele Cedro-Bauern ihre Felder am Meer an Immobilienspekulanten. „Heute sind wir nur noch etwa 20 Cedro-Bauern“, sagt Annuzzi.
„Aber das Klima hat sich verändert“, ergänzt er. Es gäbe Schädlinge, die es früher nicht gegeben habe. Tagelanger Frost habe ihm 2017 eine ganze Jahresernte zerstört. Früher sei es auf seinem Feld am Flussufer stets feucht und kühl gewesen. Doch seit zehn Jahren müsse er dort im Sommer bewässern. Dabei müsse er aufpassen, dass sich das Wasser nicht staue, das schade sonst dem zarten Cedro-Stamm. „Das kostet Geld und Zeit.“
Agri-Photovoltaikanlagen, sagt er, hätten zweifellos viele Vorteile, seien für einen Cedro-Bauern aber unerschwinglich. Außerdem, das hätten die Ernteerträge der Agrivoltaikfelder der vergangenen Jahre gezeigt, würde durch Agrivoltaik die Photosyntheserate herabgesetzt. „Ihr Hauptziel ist die Energieproduktion“, sagt er „der Cedro-Anbau ist nur ein Nebenverdienst.“
Le Greenhouse
Durch das Dach von Antonio Lancellottas Agri-Photovoltaik-Gewächshaus am Rande von Scalea scheint die Sonne. In vier Meter Höhe wechseln sich Solarmodul- mit Plexiglasreihen ab. Darunter hängen die Früchte der Cedro liscio diamante. In ihrer Form ähneln sie aus der Ferne Kakaofrüchten oder Papayas. Sie sind nicht rot, saftig und fleischig, wie man sich hierzulande die verbotene Frucht aus dem Paradies vorstellt, sondern gelbgrün, großporig und zerfurcht. Der der Chabad-Bewegung angehörende Rabbiner Moshe Lazar erklärte in einem Zeitungsinterview, die Bezeichnung „Paradiesapfel“ sei ein Übersetzungsfehler. Die Cedro hat wenig Saft und kaum Fleisch, sagt Giovanni Capolongo. „Sie besteht hauptsächlich aus Schale.“ Das machte sie bereits im Altertum zu einem beliebten Produkt für den Langstreckenhandel.
Landwirtschaft und Technik
Campilongo selbst hat Agrarwissenschaften und -technologie studiert und seine agronomische Ausbildung bei Le Greenhouse absolviert. Eine spezifische Ausbildung zum Agrivoltore gebe es noch nicht, sagt er. Anders als viele Gleichaltrige, die für einen Arbeitsplatz in den Norden ziehen, konnte er durch die Agri-Photovoltaik in seiner Heimat im Süden bleiben. 60 Prozent der Mitarbeiter bei Le Greenhouse und der Dachgesellschaft Set Energie Srl sind unter 35 Jahre alt, die meisten sind junge Ingenieure.
Er pflückt ein Blatt eines Cedro-Baums und zerreibt es zwischen den Fingern. Es duftet intensiv nach Zitrone. Ärzte setzten den Duft der Cedro-Blätter bereits im Mittelalter bei Schwangeren gegen Übelkeit ein, die aufgekochten Cedro-Blätter als Tee gegen Madenwürmer, die zerstampften Samen als Aufguss bei Aerophagie (übermäßiges Luftschlucken).
Auf rund einem Achtel der insgesamt sechs Hektar großen Fläche, sagt Campilongo, würden sie Cedri für die Rabbiner anbauen. Er zeigt auf einen glatten Cedro-Stamm: diese Bäume seien nicht aufgepfropft wie die Zitronenbäume nebenan. „Für die Rabbis gelten nur Früchte von Stecklingen als rein“. Sie dürften auch keine Flecken oder Verletzungen haben, wiederholt er, was schon Bauer Annuzzi betont hat, und hebt eine Frucht leicht an. Ein langer an einem Zweig sitzender Stachel wird sichtbar. „Solch ein Stachel kann eine ganze Frucht ruinieren.“
Grüne Energie
Als Familie Lancellotta 2011 ihre Agri-Photovoltaikanlage aufbaute, steckte die Agri-Photovoltaik noch in den Kinderschuhen. „Es war ein neues Business, eine neue Technologie“, sagt Lancellotta. „Damals war die Investition mit hohen Risiken und großer Unsicherheit verbunden, es gab keine Garantie.“
Der einst kleine Stromanbieter EF Solare, der noch heute mit den Lancellottas kooperiert, konnte sich in den letzten Jahren zu einem der größten in Italien etablieren. „Wir haben das, was wir investierten, bereits lange wieder eingespielt“, erzählt Lancellotta. Die sechs Hektar Land, die sie zu Beginn noch pachteten, gehören heute ihnen, außerdem 20 Prozent der Solarmodule. Jährlich ernten sie rund 500 Zentner Cedri. „Den größten Teil der Einnahmen bringt jedoch die Energie“, bestätigt er die Aussage von Cedro-Bauer Annuzzi. Für rund 16.000 Familien produzieren die Anlagen von Le Greenhouse saubere Energie und sparen so circa 20.000 Tonnen CO2 pro Jahr ein, berichtet Lancellotta – in etwa so viel CO2, wie die Autos und Industrieanlagen in der sizilianischen Großstadt Catania in zwölf Tagen ausstoßen würden.
Chance für Pflanzen im Klimastress
Für bedrohte Anbaukulturen kann Agri-Photovoltaik künftig eine neue Chance in der Klimakrise sein, so Lancellotta. Die Solarmodule schützen Pflanzen vor Hagel, Starkregen und Sonnenbrand. Und unter dem Solardach können Lancellottas Cedro-Bäume auch Frost überleben.
Auf Sizilien, erklärt Rhea Pöter, Biologin in der Gruppe Agri-Photovoltaik am Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme im südbadischen Freiburg, sei in einigen Zitrusplantagen mit herkömmlicher Anbaupraxis die Versalzung der Böden durch Klimawandel – reduzierte Niederschläge und erhöhte Verdunstung – bereits so stark vorangeschritten, dass die Pflanzen die erhöhten Salzkonzentrationen nicht mehr tolerieren könnten. „Sie haben Probleme bei der Nährstoffaufnahme und bei ihrer Entwicklung“, sagt Pöter.
Auf Agrivoltaik-Plantagen dagegen herrscht durch die Beschattung ein anderes Mikroklima: Forschungsergebnisse hätten gezeigt, so Lisa Pataczek vom Institut für Landschafts- und Pflanzenökologie der Universität Hohenheim, dass in sehr trockenen und heißen Jahren die Verdunstung von Boden und Pflanzen unter Agri-Photovoltaik niedriger sei als auf unbeschatteten Referenzflächen. Es herrscht also eine höhere Boden- und Luftfeuchtigkeit. Auch die Erträge seien entsprechend höher.
Lancellotta kommt zu einem ähnlichen Schluss: Seit der Überdachung mit den Solarmodulen konnte er aufgrund seiner Agri-Photovoltaikanlage rund 70 Prozent Wasser einsparen, „das sind rund 80 Badewannen Wasser pro Pflanze“.
Die Politik unterstützt Agri-Photovoltaik
Laut Tageszeitung La Repubblica ist die Agri-Photovoltaik in Italien inzwischen die am schnellsten wachsende Technologie. Dieser Trend wird sich vermutlich verstärken, denn seit 2024 sind dort Solarparks auf landwirtschaftlich nutzbaren Flächen verboten. Diese Entscheidung ist jedoch umstritten. „Für die Energiewende sind Solarparks wichtig“, sagt Lisa Pataczek. „Sie sind niedriger, kostengünstiger im Aufbau und Material und haben mehr Module als Agri-Photovoltaikanlagen.“
Besonders in Süditalien führen Solarparks jedoch zu einem immensen Verlust an Ackerland, erklärt Rhea Pöter. Agri-Photovoltaik dagegen ließe sich in die Landwirtschaft integrieren und entschärfe die Konkurrenz um landwirtschaftlich nutzbares Land.
Dennoch ist dabei Vorsicht geboten: Laut Pöter habe es Fälle gegeben, in denen die Betreibenden nur darauf aus gewesen seien, den Stempel „Agri-PV“ zu bekommen, deren Anlagen jedoch keinen Nutzen für die Landwirtschaft hatten. In Italien wie auch EU-weit fehle es noch an konkreten Gesetzen, sagt Pöter. In China zum Beispiel werden die Regeln derzeit strenger gestaltet.
Verein für Agri-Photovoltaik
In Kalabrien hat Lancellotta einen Verein für nachhaltige Agri-Photovoltaik (Associazione Italiana Agrivoltaico Sostenibile) mitgegründet. Gemeinsam mit der Zertifizierungsstelle RINA, sagt Lancellotta, habe der Verein ein Zertifizierungsverfahren entwickelt, um Photovoltaikanlagen in ihren drei Phasen – Planung, Aufbau und Management – als nachhaltig zu definieren. Zu den Hauptkriterien für eine Zertifizierung zähle der Schutz der Landwirtschaft und der Umwelt.
Software in der Landwirtschaft
Giovanni Campilongo steht auf einem Experimentierfeld neben dem Gewächshaus der Lancellottas. Um ihn herum reihen sich hohe Stelzen mit Solarmodulen – die nächste Agri-Photovoltaik-Generation –, unter ihnen wachsen Cedro-Bäume und Gras. Diese Anlage sei in Ost-West-Richtung aufgestellt, erzählt Campilongo. Man hört ein leises Rattern. „Die Solarmodule bewegen sich nach dem Sonnenstand. Dadurch ändert sich auch ihr Schatten. So fangen wir mehr Licht ein – insgesamt 1.500 Stunden Sonnenlicht pro Jahr – und können die Fotosyntheserate erhöhen. Nachts stehen die Module horizontal.“
Campilongo zeigt auf Sensoren, die im Boden stecken. Sie messen Temperatur und Feuchtigkeit sowie den für die Fotosynthese nötigen Lichtanteil. Fast wie eine Smartwatch beim Menschen. „Ihre Daten“, sagt Campilongo, „werden an eine zentrale Software übermittelt.“
Was würde der römische Obstbauer Palladius Rutilius Taurus Aemilianus, der bereits vor circa 1.600 Jahren über die Cedro schrieb, zur digitalen Landwirtschaft von heute sagen? „Technisch sind Agri-Photovoltaikanlagen heute bereits relativ ausgereift“, sagt Pataczek. Zu den Anbaukulturen jedoch, die darunter wachsen, gäbe es noch viele offene Fragen: Welchen Einfluss etwa hat die Beschattung auf Pflanzenphysiologie und Erträge? „Als Forschende freuen wir uns immer, wenn Landwirte probieren, alte Sorten und Nischenkulturen unter Agri-Photovoltaik anzubauen“, sagt Pöter. Es gibt viel unentdecktes Potenzial.
CO2-Etikett für die Zitronatzitrone
Inzwischen hat Le Greenhouse nach Sardinien expandiert, dort baut das Unternehmen in einer Agri-Photovoltaikanlage die Cedro Pompia an, die einer Kreuzung einer Pomeranze mit einer Zitrone ähnelt. Der sardische Jungspund ist fast 2.000 Jahre jünger als die alte Diamante, da es sich um eine Kreuzung handelt, ist sie für die Rabbiner jedoch uninteressant.
„Die Cedro liscio diamante dagegen“, sagt Giovanni Campilongo, „gehört zu Kalabriens Identität wie der Balsamico(-Essig) zu Modena und trägt das italienische Herkunftssiegel DOP (Denominazione di Origine Protetta).“ In Zukunft wollen sie ihre PV-Zitronatzitronen außerdem mit einem CO2-Etikett versehen, sagt er, als Information für umweltbewusste Kunden. //
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