In ihrer nordamerikanischen Heimat gehören die „putzigen Banditen“ seit jeher zur Lebenswelt und so konnten sich andere Arten auf sie einstellen. Doch in Europa avancierten die Waschbären nach ihrer Freisetzung im 20. Jahrhundert zum Problem. Die anpassungsfähigen Kleinräuber finden bei uns optimale Lebensbedingungen, kaum Feinde sowie „unvorbereitete“ Beutetiere vor. Deshalb breitet sich der Waschbär derzeit nahezu unkontrolliert aus –mit noch nicht abschätzbaren Folgen für Mensch, Tier und Ökosysteme.
Der Erforschung dieser Bedrohung widmet sich ein Team aus Wissenschaftlern unterschiedlicher deutscher Einrichtungen im Projekt „ZOWIAC“ (Zoonotische und wildtierökologische Auswirkungen invasiver Carnivoren). Sie konnten bereits dokumentieren, dass der Waschbär in Europa noch enormes Ausbreitungspotenzial besitzt und bei seinem Vormarsch gefährliche Krankheitserreger verbreiten könnte. Grundsätzlich zeichnete sich auch schon deutlich ab, dass er es auf viele heimische Tierarten abgesehen hat oder ihre Gelege plündert. Doch zum Ausmaß dieser ökologischen Bedrohung gibt es noch immer offene Fragen. Bei der aktuellen Untersuchung lag nun der Fokus gezielt auf den Opfern unter den Amphibien und Reptilien.
Invasoren auf die Pfoten geschaut
„Es gab schon länger den Verdacht, dass Waschbären für den Rückgang zahlreicher einheimischer Reptilien- und Amphibien-Arten in bestimmten Gebieten mitverantwortlich sind“, sagt Projekteiter Sven Klimpel vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum Frankfurt. Um das Jagdverhalten der Waschbären genauer zu beleuchten, haben er und sein Team in Kooperation mit lokalen Naturschützern nun gezielt Beobachtungs- und Untersuchungsdaten in Naturschutzgebieten in Hessen sowie in Brandenburg und Sachsen-Anhalt zusammengetragen. Die Informationen basieren dabei teilweise auf hochmodernen Untersuchungsverfahren, wie sie auch in der Forensik zum Einsatz kommen, um Tätern auf die Spur zu kommen.
Wie das Team berichtet, verstärken die Ergebnisse den Eindruck von den invasiven Räubern als Öko-Vandalen: „Wir konnten mittels modernster genetischer Analysemethoden nun eindeutig nachweisen, dass Grasfrösche, Erdkröten und Gelbbauchunken zu den Beutetieren von Waschbären zählen“, sagt Klimpel. Beobachtungen weisen außerdem darauf hin, dass Bergmolche, Wechselkröten und Feuersalamander auf dem Speiseplan der Waschbären stehen. Offenbar haben einige der kleinen Räuber auch spezielle Vorlieben für bedrohte Amphibien entwickelt, geht aus Untersuchungsergebnissen hervor. Im Fall der Erdkröte versagt dabei auch ihr Hautgift als Schutz vor Fressfeinden. Denn die Waschbären häuten sie einfach vor dem Verzehr mit ihren geschickten Pfoten, zeigen viele Opfer-Funde.






