Weltweit werden jedes Jahr rund 460 Millionen Tonnen Plastik produziert. Bis 2060 könnte es dreimal so viel sein. Schon heute treiben allein im Nordatlantik geschätzte 27 Millionen Tonnen Mikroplastik. Doch Plastik steckt längst nicht nur im Meer, sondern auch in Böden, Gletschern, Luft – und sogar in uns selbst. Dort bedroht es unsere Gesundheit, schädigt Ökosysteme und trägt sogar zur Erderwärmung bei.
„Eine ökologische Katastrophe“
Diese globale Plastikflut zu reduzieren, war das erklärte Ziel der Initiatoren des internationalen UN-Plastikabkommens. Doch auch in der gerade zu Ende gegangenen sechsten Verhandlungsrunde in Genf konnten die Vertreter der UN-Mitgliedstaaten sowie Experten aus Wissenschaft und Industrie keine Einigung erzielen. Damit endet ein dreijähriger Verhandlungsprozess ohne verbindliches Abkommen. Eine weitere Verhandlungsrunde wäre zwar denkbar, ist aktuell aber nicht vorgesehen.
„Ich bin extrem enttäuscht. Was für eine verpasste Chance, die sich die Ozeane nicht leisten können“, kommentiert Fabienne McLellan von der Umweltschutzorganisation OceanCare. Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie ergänzt: „Das Scheitern der Verhandlungen ist eine ökologische Katastrophe, da es ohne einen geeigneten globalen Rahmen nicht dazu kommen wird, Investitionen in Richtung einer nachhaltigeren Nutzung von Plastik zu lenken.“
Verhärtete Fronten
Doch woran ist das Plastikabkommen gescheitert? Wie so häufig bei multilateralen Verhandlungen gingen die Interessen der rund 180 teilnehmenden Länder einfach zu weit auseinander. Die Fronten waren zuletzt vor allem zwischen zwei Gruppen verhärtet. Auf der einen Seite stand die sogenannte „High Ambition Coalition“ aus über 100 Ländern inklusive Deutschland, die umfassende Maßnahmen forderte, darunter eine Produktionseinschränkung für Einwegprodukte aus Kunststoff. Demgegenüber standen Länder, für die die Plastikproduktion und der Verkauf des dafür nötigen Rohstoffs Erdöl einen wichtigen Wirtschaftszweig darstellen, darunter Saudi-Arabien, Russland und der Iran. Statt Einwegplastik aus dem Verkehr zu ziehen und eine globale Kreislaufwirtschaft zu etablieren, wollten diese Staaten lediglich das Abfallmanagement verbessern. Der Rest sollte so bleiben wie bisher – ein Ansatz, der aus wissenschaftlicher Sicht nicht ausreicht, um die Plastikflut wirksam zu stoppen.
„Obwohl sich die ganz überwiegende Mehrheit der Staaten immer wieder für ein ambitioniertes Abkommen eingesetzt hat, sind die Verhandlungen an den Egoismen einiger weniger Staaten gescheitert, die vor allem ihre Chemie- und Kunststoffindustrie schützen wollten. Das Scheitern war in dem Moment absehbar, als sich auch die USA klar gegen ein Abkommen positioniert haben, das über besseres Abfallmanagement hinaus gehen würde“, erklärt Wilts. „Im aktuellen geopolitischen Kontext wäre ein erfolgreiches Plastikabkommen auf UN-Ebene nur vorstellbar gewesen, wenn diesen wenigen Ländern eine Zustimmung ‚abgekauft‘ worden wäre – speziell die europäische Delegation wollte sich hier aber erkennbar nicht erpressen lassen.“





