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Umweltfreundlicher Silvester feiern – wie geht das?
Knall, peng, zisch, überall bunte Farben, Lichtblitze, Getöse. An Silvester sprühen die Funken, Raketen werden in die Luft geschossen, Böller geworfen. Mit dem Spektakel begrüßt man das neue Jahr und, so der alte Aberglaube hinter dem neuen Ritual, vertreibt böse Geister. Doch Silvesterfeuerwerk schadet leider nicht nur den vermeintlichen bösen Geistern, sondern auch Mensch, Tier und Umwelt.
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Text: Janina Martens
Knall, peng, zisch, überall bunte Farben, Lichtblitze, Getöse. An Silvester sprühen die Funken, Raketen werden in die Luft geschossen, Böller geworfen. Mit dem Spektakel begrüßt man das neue Jahr und, so der alte Aberglaube hinter dem neuen Ritual, vertreibt böse Geister. Doch Silvesterfeuerwerk schadet leider nicht nur den vermeintlichen bösen Geistern, sondern auch Mensch, Tier und Umwelt.
Die lange Liste, warum Feuerwerk problematisch ist, dürfte allgemeinhin bekannt sein: Jedes Jahr an Silvester kommt es zu Bränden und Verletzungen, die Feuerwehr ist im Dauereinsatz, Notaufnahmen sind voll. Beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern werden giftige Chemikalien freigesetzt, Feinstaub belastet Städte, Plastikteile landen in der Natur, der Lärm verängstigt Wild- und Haustiere. Was also tun? Ist ein Feuerwerksverbot sinnvoll? Sollte man freiwillig aufs Böllern verzichten? Welche nachhaltigen Alternativen gibt es? Diese Diskussion wiederholt sich jedes Jahr. Durch die Pandemie bekam das Thema zuletzt besondere Aufmerksamkeit; denn zwei Jahre in Folge war privates Silvesterfeuerwerk verboten – um Menschenansammlungen zu vermeiden.
Ein Aktionsbündnis aus Umwelt-, Verbraucher-, Tierschutz- und Gesundheitsorganisationen sowie der Gewerkschaft der Polizei ruft daraufhin seit 2022 in einer wiederkehrenden Mitmachaktion unter dem Motto #böllerciao dazu auf, einen offenen Brief ans Bundesinnenministerium für ein böllerfreies Silvester zu unterschreiben. Initiiert wurde die Petition von der Deutschen Umwelthilfe. In dem Brief fordern die Unterzeichnenden eine Änderung der Ersten Sprengstoffverordnung, konkret die Streichung der beiden Paragrafen, die zu Silvester den Verkauf von pyrotechnischen Gegenständen an Privatpersonen sowie das Zünden erlauben. Doch bislang bleibt privates Feuerwerk an Silvester erlaubt.
Profi-Feuerwerk statt privater Böllerei
„Gesetzlich bewegt sich in dem Bereich seit Jahren nichts“, sagt Manuel Fernández. Er ist seit 2015 Referent für Chemikalienpolitik beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, kurz: BUND. „Mittlerweile ist eine Mehrheit der Bevölkerung dafür, privates Feuerwerk einzuschränken.“ Bei einer Umfrage vom Herbst 2023 im Auftrag der Verbraucherzentrale Brandenburg sprachen sich 20 Prozent der rund 1.000 Befragten für ein generelles Verbot aus, 39 Prozent wünschten sich eine Beschränkung auf professionell von Pyrotechnikern durchgeführtes Feuerwerk.
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„Der BUND fordert kein generelles Feuerwerksverbot“, stellt Manuel Fernández klar. Es gehe dem Verband schlicht um einen verantwortungsvollen Umgang und strengere Regularien, um Gefahren vorzubeugen und die Umwelt zu schützen. „Es sollte nicht einfach heißen: Feuer frei nach Belieben!“ Eines der zentralen Probleme, so Fernández, sei die starke Feinstaubbelastung zu Neujahr in den Wohngebieten. Beim Abbrennen von Feuerwerkskörpern entsteht Feinstaub. Die winzigen Partikel bleiben eine Weile in der Atmosphäre, statt zu Boden zu sinken. Als Feinstaub, auch PM10 genannt, wird Staub bezeichnet, dessen Korngröße kleiner als zehn Mikrometer ist. Er verschlechtert die Luftqualität, kann die Gesundheit gefährden, etwa Atemwegserkrankungen begünstigen, und einen negativen Effekt aufs Klima haben.
Laut Umweltbundesamt werden in Deutschland jedes Jahr etwa 2.050 Tonnen Feinstaub (PM10) durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern verursacht. Das entspricht in etwa 1 Prozent der gesamt freigesetzten PM10-Menge in Deutschland: Im Jahr 2022 verzeichnete man insgesamt 184.600 Tonnen Feinstaubemissionen. Insbesondere an Silvester und Neujahr ist die Feinstaubbelastung vergleichsweise hoch. Das Umweltbundesamt hat Luftdaten ausgewertet, die zeigen, dass am ersten Tag des Jahres in deutschen Städten die Luftbelastung mit Feinstaub so hoch ist wie sonst im ganzen Jahr nicht.
„Individuelles Feuerwerk sollte zur Senkung der Feinstaubbelastung eingeschränkt werden“, sagt Manuel Fernández vom BUND. Der Verband fordert, die 39. Verordnung über Luftqualitätsstandards und Emissionshöchstmengen so anzupassen, dass Kommunen zur Einhaltung von Emissionsgrenzwerten privates Feuerwerk verbieten oder Sperrzonen dafür ausweisen können.
Das heißt jedoch nicht, dass Feuerwerk komplett flachfallen muss, so Fernández. Sondern dass es geregelt organisiert werden sollte. Zentral veranstaltetes Feuerwerk, gezündet von Pyrotechnikern. In anderen Ländern, beispielsweise in Spanien und Frankreich, ist das zu Silvester bereits üblich – dort gibt es kein Privatfeuerwerk. Auch manche Städte in Deutschland veranstalten Profi-Großfeuerwerke. Das wohl bekannteste ist das am Brandenburger Tor in Berlin. Auch zu diesem Jahreswechsel soll es wieder für etwa acht Minuten zu bestaunen sein. Wer auf dem Land lebt, dem bliebe dann allerdings nur die Option, das Spektakel im Fernsehen zu verfolgen.
Fernández vom BUND sagt: „Eine Option wäre auch, dass Kommunen bestimmte Bereiche ausweisen, in denen man angemeldet zusammenkommen, sein Feuerwerk mitbringen und gemeinsam knallen kann.“ Das sei immerhin besser kontrollierbar und könne dann so stattfinden, dass Brand-, Emissions- und Naturschutz gewahrt werden. „Und man kann einfacher verhindern, dass illegale Feuerwerkskörper abgebrannt werden.“
Ökologischeres Feuerwerk in der Forschung
Doch könnte Feuerwerk vielleicht auch ökologisch funktionieren? Knallen ohne Schadstoffe, geht das? Daran forscht Magdalena Rusan von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie ist seit 2017 wissenschaftliche Angestellte und eine der wenigen Chemikerinnen in Deutschland, die sich mit nachhaltigem Feuerwerk beschäftigen. Schon ihre Masterarbeit schrieb sie über Pyrotechnik. Sie sagt: „Mich fasziniert die Energie, das bunte Licht – und wie man das dirigieren kann.“
Feuerwerk funktioniert durch eine Reihe chemischer Reaktionen. Rusan erklärt, dass es für jeden Effekt jeweils andere Chemikalien braucht. Zum Einsatz kommen etwa Eisenpulver für gelbe Funken und Strontium für rote Farbe. „Viele Stoffe, die in Feuerwerk verwendet werden, und vor allem die, die beim Abbrennen entstehen, sind bedenklich“, sagt Rusan. Sie forscht daran, die Schadstoffe zu ersetzen oder zumindest zu reduzieren. Derzeit beschäftigt sie sich mit Grün. „Für grüne Farbeffekte benutzt man meistens Bariumverbindungen“, sagt Rusan. Einige Verbindungen, die dann beim Abbrennen entstehen, seien giftig, etwa Bariumchlorid und Bariumhydroxid. Sie schaden dem menschlichen Körper, können zu Muskelkrämpfen oder Atemnot führen. Die Chemikerin versucht daher, Alternativen zu finden.
In Experimenten hat sie es bereits erfolgreich geschafft, Barium- durch Borverbindungen zu ersetzen – in der Hoffnung, dass die daraus entstehenden Verbindungen weniger schädlich sind. „Das ist ein Erfolg“, sagt sie. Die Forschung müsse aber noch weitergehen. „Ich muss sicherstellen, dass bei der Reaktion definitiv keine giftigen Verbindungen entstehen.“
Doch selbst dann – bis tatsächlich auch in der industriellen Herstellung Borverbindungen die Bariumverbindungen ersetzen und sich auf dem Pyrotechnik-Markt durchsetzen könnten – ist es noch ein weiter Weg. Rusan sieht es realistisch: „Was die Chemikalien angeht, wird auf dem Markt eher noch traditionelles Feuerwerk eingesetzt.“ Ganz unbedenklich werde Feuerwerk wohl nie werden. „Aber die Menge macht das Gift. Theoretisch wäre es möglich, die Zusammensetzung der Chemikalien nachhaltiger zu gestalten. Bisher passiert das in der Praxis aber zu wenig.“
Umweltbewusste Alternativen
Manuel Fernández vom BUND empfiehlt Verbraucherinnen und Verbrauchern dennoch, bereits jetzt beim Kauf von Feuerwerk auf Nachhaltigkeit zu achten, so weit möglich. So biete es sich an, plastikfreies Feuerwerk zu kaufen. Einige Hersteller verwenden mittlerweile Papp-Alternativen für die Kappen an der Zündschnur und auf den Raketenspitzen sowie Verpackungen aus recycelbarem Material.
Die einzig wirklich umweltfreundliche Variante ist und bleibt allerdings: Ohne Feuerwerk ins neue Jahr starten. Das bedeutet keineswegs einen stillen, tristen Jahreswechsel. Es gibt zahlreiche kreative Alternativen für eine bunte Silvesterfeier.
Laserprojektionen, Lichtshows und Drohnenfeuerwerke können eine Alternative sein. In den USA, in China und im arabischen Raum wird das teilweise bereits gemacht. Und auch in Deutschland gibt es erste Ansätze; die Deutsche Umwelthilfe präsentierte vergangenes Jahr im Prenzlauer Berg in Berlin eine Drohnenshow.
Wer so etwas nicht vor der Tür hat, kann auch anders mit Licht und Lärm Spaß haben. Zum Beispiel mit einer Feuertonne und Lagerfeuer im Garten. Oder mit Fackeln Licht ins Dunkle bringen, die lassen sich mit Tannenzapfen sogar selbst basteln. Wunderkerzen sind leider keine ökologischere Alternative, denn sie enthalten in der Regel Bariumnitrat, und das ist giftig. Für Silvester mit Kindern sind stattdessen Laternen mit elektrischen Kerzen oder Taschenlampen geeignet.
Um akustisch mitzuhalten, ohne Böller explodieren zu lassen, gibt es zahllose Möglichkeiten: Mit Kochlöffeln auf Töpfe trommeln, alte Blechdosen mit Steinchen füllen und schütteln, Butterbrottüten aufblasen und platzen lassen. Mit einer Konfettikanone kann man drinnen bunte Papierschnipsel regnen lassen. Aus altem Herbstlaub wiederum lässt sich nachhaltiges Konfetti herstellen: Blätter pressen, trocknen und mit einem Locher stanzen. Das Naturkonfetti ist ökologisch und kann auch draußen liegen bleiben.
Bleigießen ist seit 2018 in Deutschland verboten, weil beim Erhitzen des Metalls giftige Dämpfe entstehen. Eine ökologische Alternative ist Wachsgießen: Dazu Kerzenreste auf einem Löffel über einer Kerze schmelzen, mit Schwung in kaltes Wasser kippen und kreativ deuten, was die entstandenen Gebilde wohl über das neue Jahr aussagen.
Auch die Silvesterbräuche aus anderen Ländern können inspirierend sein. Warum nicht mal ausprobieren, was zum Beispiel in Spanien beliebt ist? Um Mitternacht isst man dort zu jedem Glockenschlag eine Weintraube. Das soll Glück fürs neue Jahr bringen. Und zwar ganz ohne Lärm, Feinstaub und Verletzungsgefahr. //
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