Einer Studie zufolge zeugen untreue Zebrafinken-Männchen häufig Töchter, die dann ebenfalls zu Seitensprüngen neigen. Das zeigen die Beobachtungen deutscher Forscher zum Paarungsverhalten von über 1.500 Zebrafinken. Die Vögel leben eigentlich monogam, beide Geschlechter gehen aber gelegentlich fremd. Das Ergebnis legt die Existenz von Genen nahe, die sowohl beim Männchen als auch beim Weibchen das Treue-Verhalten steuern, sagen die Wissenschaftler um Wolfgang Forstmeier vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Seewiesen. Die Erbanlagen für die Neigung zur Untreue lassen sich bei Weibchen monogamer Tierarten nicht ausschalten, obwohl ihnen Seitensprünge nichts nützen, so die Erklärung der Forscher.
?Hinter dem Paarungsverhalten steckt prinzipiell immer ein Grundprinzip der Evolution: Jedes Lebewesen versucht, das eigene Erbgut so effektiv wie möglich zu verbreiten?, sagt Wolfgang Forstmeier. Für die Geschlechter gelten dabei allerdings unterschiedliche Spielregeln. Männchen können sehr viele Nachkommen zeugen, Weibchen haben dagegen nur wenige Eizellen zur Verfügung, mit denen sie folglich sorgsam umgehen müssen. Das Prinzip der Monogamie ist für sie dabei ein Vorteil, denn es schafft die Grundlage dafür, dass der Vater die Mutter bei der Aufzucht der Jungen unterstützt. Mit einem Seitensprung nehmen Weibchen eher Risiken in Kauf: Sie können sich mit Krankheiten anstecken, und der feste Partner könnte einer erwischten Ehebrecherin die Mithilfe bei der Aufzucht verweigern. Für die Männchen liegt dagegen der Vorteil der Treulosigkeit auf der Hand: Sie können mit mehr Partnerinnen auch mehr Nachkommen zeugen. ?Die beiden Prinzipien der Treue und Untreue stehen quasi im Konkurrenzkampf?, sagt Forstmeier. Während bei Männchen die untreuen von der Selektion und Evolution bevorzugt werden, ist es bei den Weibchen umgekehrt.
Biologen rätseln deshalb seit Langem, warum sich die Untreue bei Weibchen evolutionär durchsetzen konnte. Die Verhaltensforscher um Forstmeier vermuten nun, dass die Seitensprung-Gene der Männchen auf komplexen Erbfaktoren beruhen, die sich im weiblichen Tier nicht komplett abschalten lassen. Die unvorteilhafte Neigung zu Seitensprüngen haben weibliche Zebrafinken somit dem Erbe ihrer Vätern zu verdanken. ?Moralische Vorstellungen sind in der Biologie natürlich unsinnig?, betont Forstmeier, ?aber das Sexualverhalten der Zebrafinken hat durchaus deutliche Parallelen zu dem des Menschen.? Es gibt bereits Hinweise auf die Vererbung von Treueverhalten und Bindungstyp aus anderen Studien. Die genetischen Hintergründe dieser Phänomens sind zwar noch unklar, der Forscher vermutet aber: Der Mensch könnten ein ähnliches Vererbungsmuster beim Treueverhalten haben wie der Zebrafink.
Wolfgang Forstmeier et al.: ?PNAS?, Vol. 214, pp 2175-81, DOI 10.1073/pnas.1103195108 wissenschaft.de ? Martin Vieweg





