Amphibien sind die ältesten landlebenden Wirbeltiere unseres Planeten – doch inzwischen auch die am stärksten gefährdeten. Denn seit Jahrzehnten ist unter Fröschen, Kröten, Salamandern und Molchen ein weltweites Sterben im Gange. Laut der Roten Liste der Naturschutzunion (IUCN) gilt heute rund ein Drittel aller Amphibienarten als in ihrem Gesamtbestand bedroht. Erheblich zu dieser Entwicklung beigetragen hat ein global grassierender Krankheitserreger: Batrachochytrium dendrobatidis, auch Chytridpilz genannt. Dieser ursprünglich aus Asien stammende Erreger kann Amphibien aller Ordnungen über die Haut infizieren und führt bei der Mehrheit der befallenen Tiere zum Tod.
Über 500 betroffene Arten
Klar ist, dass Batrachochytrium dendrobatidis in vielen Teilen der Erde regelrechte Epidemien ausgelöst hat. Doch obwohl der Pilz inzwischen immer besser verstanden ist, konnten Wissenschaftler das wahre Ausmaß der durch ihn verursachten Schäden bisher höchstens schätzen. Es fehlte schlicht an einem entsprechenden Datensatz. Ben Scheele von der Australian National University in Canberra und seine Kollegen haben das nun geändert. Um das pilzbedingte Amphibiensterben zu quantifizieren, werteten sie die Rote Liste der gefährdeten Arten sowie eine Vielzahl von Fachveröffentlichungen zum Artenschwund unter Fröschen und Co aus und sprachen zudem mit Amphibienexperten aus aller Welt.
Die Analyse der gesammelten Informationen ergab ein erschreckendes Bild: Den Ergebnissen zufolge hat der Chytridpilz in den vergangenen 50 Jahren zu einem Bestandsrückgang bei mindestens 501 Amphibienspezies beigetragen – dies entspricht 6,5 Prozent der gesamten Amphibienvielfalt weltweit. 90 von diesen 501 Arten sind inzwischen nachweislich oder sehr wahrscheinlich in freier Wildbahn ausgestorben. Am stärksten von der Seuche in Mitleidenschaft gezogen wurden Populationen in Australien sowie in Zentral- und Südamerika, wie die Forscher herausfanden. Dies stütze die Hypothese, dass sich der Amphibienpilz von Asien aus zuerst in die Neue Welt ausgebreitet habe. Die beispiellose Zerstörungskraft des Pilzes macht ihn zu einer der schädlichsten invasiven Spezies überhaupt. Dem Team zufolge ist der durch die Amphibienseuche verursachte Artenschwund der bisher größte dokumentierte Verlust an Biodiversität, der auf das Konto einer einzigen Erkrankung geht.
Höhepunkt überwunden
Trotz dieser traurigen Bilanz gibt die Arbeit des Teams auch Grund zur Hoffnung. Denn die Daten belegen, dass der Höhepunkt der Seuche überwunden scheint. So war der mit dem Chytridpilz assoziierte Amphibienrückgang in den 1980er Jahren am größten. Seitdem geht die Zahl der neu betroffenen Populationen allmählich zurück und manche Spezies haben sogar schon Resistenzen gegen den tödlichen Erreger entwickelt. Völlige Entwarnung können die Wissenschaftler dennoch nicht geben. Wie sie berichten, zeigen bisher nur zwölf Prozent der vom Rückgang betroffenen Spezies deutliche Zeichen der Erholung. Bei 39 Prozent gehen die Populationszahlen dagegen nach wie vor zurück.





