Der wachsende Tourismus zerstört die noch verbliebenen Naturreservate der Erde. Dieses Resümee zieht die bisher umfassendste Studie zu Tourismus und Umwelt, die jetzt vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) zusammen mit der Artenschutzorganisation Conservation International vorgelegt wurde. “Wir schlachten so die Gans, die goldene Eier legt”, formuliert es Russ Mittermeier, der Präsident der Organisation.
Tourismus, von dem vor allem Entwicklungsländer abhängig sind, gehört zu den weltweit größten Wirtschaftsbranchen. Der oft unkontrolliert wachsende Strom an Besuchern bedroht aber nicht nur die letzten großen Biotop dieser Welt und fügt der Umwelt Schaden zu, sondern zerstört letztendlich auch die Grundlage des Tourismus selbst.
In den zurückliegenden Jahrzehnten hat sich der Besucherstrom zu den noch intakten großen Biotopen dieser Erde mehr als verdoppelt, berichtet Conservation International. In Laos und Kambodscha stieg er sogar um 2000 Prozent, in Südafrika um 500 Prozent und in Brasilien sowie Ländern Mittelamerikas um 300 Prozent.
“Es gibt viele Beispiel dafür, wie sich die Bedürfnisse der Tourismusbranche und der Natur die Balance halten können”, sagt UNEP-Direktor Klaus Töpfer. “Tourismus benötigt funktionierende Kommunen und eine intakte Natur.” Damit der Tourismus auch im 21. Jahrhundert eine lukrative Einnahmequelle bleibe, sei eine ökologische Steuerung des Besucherstroms nötig.
Die Tourismusbranche erwirtschaftet etwa elf Prozent des Welt-Bruttosozialprodukts. In ihr sind schätzungsweise 200 Millionen Menschen beschäftigt, die jährlich 700 Millionen Reisende versorgen. Bis zum Jahr 2020 könnte sich laut Conservation International die Zahl der Touristen verdoppeln.
ddp/bdw ? Andreas Wawrzinek





