Um auf die noch unerkannte Vielfalt unserer Natur aufmerksam zu machen, wählen Forscher des International Institute for Species Exploration (IISE) jedes Jahr aus den Neuentdeckungen zehn Arten aus, die besonders bizarr, ungewöhnlich oder auch bedroht sind. “Ich bin immer wieder aufs Neue erstaunt, wie viele neue Arten auftauchen und welche Vielfalt die Neuentdeckungen haben”, sagt Quentin Wheeler, Gründungsdirektor des IISE. “Jede von ihnen hat einen Weg gefunden, trotz aller Herausforderungen durch Umwelt, Klima und Konkurrenz zu überleben. Wie wir selbst einer ungewissen Umweltzukunft entgegengehen, können wir von diesen Arten viel Wertvolles lernen.”
Doch Wheeler betont auch, wie gefährdet viele der neuentdeckten Arten sind: “Wir entdecken zwar pro Jahr rund 18.000 neue Spezies, gleichzeitig sterben aber rund 2000 Arten jährlich aus.”
Menschenaffe, Beutellöwe und der tiefste Fisch des Ozeans
Er ist die größte Spezies unter den Top Ten – und eine echte Sensation: Der Ende 2017 auf Sumatra identifizierte Tapanuli-Orang-Utan erhöht die Zahl der bekannten Menschenaffenarten auf sieben. Die Population dieser Orang-Utans ist jedoch stark bedroht: Es leben nur noch rund 800 Exemplare in einem isolierten und bereits stark fragmentierten Hügelgebiet. Ebenfalls zu den großen unter den Top Ten gehört der Beutellöwe Wakaleo schouteni. Der hundegroße Raubbeutler lebte vor rund 25 Millionen Jahren in Australien. Er besaß scharfe Reißzähne und Klauen, fraß aber wahrscheinlich nicht nur Fleisch, sondern war ein Allesfresser. Interessant auch: Zur damaligen Zeit lebten damit mindestens zwei Beutellöwen-Arten gleichzeitig in Australien.
Der Fisch Pseudoliparis swirei ist ein echter Rekordhalter. Denn er lebt am tiefsten Ort unseres Planeten – im Marianengraben. Forscher entdeckten ihn dort in Tiefen von 6.898 bis 7.966 Metern – und damit nur knapp über der Wassertiefe, die als physiologische Grenze für Fische im Ozean gilt. Der gut elf Zentimeter lange Fisch ähnelt mit seinem dicken Kopf und dünnen Rumpf einer großen Kaulquappe und ist vermutlich der Top-Prädator in seinem Lebensraum. Am eisigen Ende der Welt lebt dagegen der Flohkrebs Epimeria quasimodo. Er bekam seinen Namen, weil sein gewölbter, gepanzerter Rücken an den des buckeligen “Glöckners von Notre Dame” erinnert. Biologen entdeckten diese Krebsart im Südpolarmeer vor der Küste der Antarktis. Er ist dort eine von gleich 26 neuentdeckten Spezies dieser Gattung Epimeria.





