Domestizierung fördert bestimmte Gene
Inzucht muss nicht immer schädlich sein. Das beweist eine britische Herde aus fünfzig genetisch nahezu identischen Chillingham-Rindern, die offenbar gesund und fruchtbar sind. (Nature 409, S. 303) Die Herde wurde nachweislich über 300 Jahre hinweg nicht mit fremden Tieren gekreuzt und bestand nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch aus acht Bullen und fünf Kühen. “So etwas ist ohne Beispiel unter Säugetieren, keine andere Population ist so einheitlich”, erklärt Stephen Hall von der De Montford-Universität in Grantham.
Eine Studie, die in den 60-er Jahren an Mäusen durchgeführt wurde, zeigte, dass extreme Inzucht den Bestand einer Population gefährdet: In den Erbmolekülen der Tiere sammeln sich schadhafte Gene an, die Tiere fallen nahezu schutzlos Krankheiten zum Opfer oder werden unfruchtbar. Warum das bei den Chillingham-Rindern nicht der Fall ist, können sich die Biologen nicht erklären. “Eine Theorie besagt, dass bei der Domestizierung von Tieren Gene gefördert werden, die Inzucht tolerieren”, sagt Hall. Die Chilligham-Herde lebt zwar wild in einem Park in Nordengland, stammt aber offenbar von domestizierten Rindern ab.
Die Chilligham-Herde könnte daher ein Vorbild für Ökologen sein, die gefährdete Tiere, von denen es nur noch wenige Exemplare gibt, vor dem Aussterben bewahren wollen.
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