Vom Meeresboden aufsteigende Blasen des giftigen Gases Schwefelwasserstoff bedrohen die reichen Fischgründe vor Namibias Küste. Während Forscher bisher davon ausgingen, solche Gaseruptionen seien nur lokal begrenzt und außerordentlich selten, beweisen neue Satellitenaufnahmen vom Benguela-Strom nach Ansicht eines internationalen Forscherteams das Gegenteil: Die Gasblasen steigen nicht nur deutlich häufiger auf als angenommen, sie können sich auch über eine Fläche von mehr als 20.000 Quadratkilometern erstrecken. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist (Ausgabe vom 7. Februar).
Der Benguela-Strom vor der Küste Namibias ist einer der stärksten Auftriebsströme der Welt. Vom Wind angetrieben, wird das Wasser des Atlantischen Ozeans dort ständig umgewälzt, so dass Nährstoffe vom Meeresboden in die Oberflächengewässer aufsteigen. Dieses nährstoffreiche Wasser ist ein Paradies für Meeresbewohner und gehört zu den ertragreichsten Fischgründen der Welt. Die hohe Nährstoffdichte ist jedoch gleichzeitig die Ursache für die Bildung des giftigen Schwefelwasserstoffs: Abgestorbene Kieselalgen, die im Benguela-Strom ebenfalls im Überfluss gedeihen, sinken zu Boden und bilden dort eine dicke Sedimentschicht.
In dieser Schicht beginnen Bakterien, die Überreste zu zersetzen, und produzieren dabei Schwefelwasserstoff. Hat sich genug von diesem Gas gesammelt, bildet sich eine Blase, die auf ihrem Weg nach oben dem Wasser den Sauerstoff entzieht und Fische und andere Lebewesen vergiftet. Solche Eruptionen zeigen sich auf Satellitenbildern als milchige Flecken, berichten Scarla Weeks von der Universität Kapstadt und ihre Kollegen aus Namibia und Miami. Anhand dieser auffälligen Stellen konnten die Forscher zum erstenmal abschätzen, wie häufig die giftigen Blasen vom Meeresgrund aufsteigen und wie groß sie werden können. Dabei zeigte sich, dass es beispielsweise im Jahr 2001 neun große Eruptionen gegeben hat ? und dass sich die größte der Blasen über eine Fläche von etwa 22.000 Quadratkilometern erstreckt hatte.
Am häufigsten scheinen die Gasblasen dann freigesetzt zu werden, wenn entweder ein Tiefdruckgebiet über dem Benguela-Strom liegt, oder der Wind die Aufwärtsbewegung des Wassers beschleunigt. In beiden Fällen, so die Forscher, nehme der hydrostatische Druck auf das Sediment ab und die Gasblasen werden nicht mehr festgehalten. Die neuen Daten werfen neues Licht auf bisher unerklärliche Rückgänge der Fischbestände. So fiel beispielsweise 1994 die Zahl der Seehechte im Benguela-Strom auf ein Drittel der ursprünglichen Größe ab. Eine große Schwefelwasserstofferuption könnte diesen extremen Einbruch verursacht haben, vermuten die Forscher.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





