Im Frühjahr beginnt die Blütezeit früher, die Winter werden milder und die Sommer heißer: Schon jetzt sind viele Effekte des Klimawandels in der Natur deutlich messbar. Insgesamt beginnen sich zudem die Klimazonen polwärts zu verschieben, wie Studien belegen. Auf längere Sicht zwingt dies viele Tierarten dazu, ihr Verhalten, ihre Morphologie und möglicherweise auch ihre Lebensweise anzupassen – oder mit den Klimazonen mitzuwandern. Tatsächlich sind solche Entwicklungen bereits im Gange: Biologen beobachten beispielsweise, dass einige Tierarten inzwischen früher aus dem Winterschlaf erwachen, dass sich die Paarungszeiten verlagert haben oder sich die saisonale Migration zeitlich und räumlich verändert hat. Aber auch Veränderungen der Körpergröße, der Körpermasse oder anderer morphologischer Merkmale lassen sich feststellen.
Paarung, Brut und Migration haben sich verschoben
Doch wie verbreitet sind diese Anpassungen an den fortschreitenden Klimawandel? Und reichen sie aus, um mit den Veränderungen Schritt zu halten? Das haben nun Viktoriia Radchuk vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und ihre mehr als 60 Kollegen in einer umfangreichen Studie untersucht. Dafür werteten sie Daten von 71 Studien aus und sichteten mehr als 10.000 Zusammenfassungen von wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Die Forscher ermittelten nicht nur, ob es bei einer Tierart Verhaltens- oder morphologische Änderungen gibt, sondern auch, ob diese die Fitness der jeweiligen Spezies erhöht – beispielsweise indem mehr Nachwuchs produziert wird oder mehr Tiere überleben. Dies stellten sie fest, indem sie die tatsächlichen Veränderungen in einem Modell mit den idealerweise nötigen verglichen. Einen besonderen Schwerpunkt legten die Wissenschaftler dabei auf Vögel, weil für diese Tiergruppe die meisten und detailliertesten Daten verfügbar sind.
Die Auswertung ergab: Viele Tierarten haben tatsächlich bereits auf den Klimawandel und die Veränderungen ihrer Umwelt reagiert. “Die stärksten phänologischen Anpassungen fanden wir bei Amphibien, gefolgt von Insekten und Vögeln”, berichten Radchuk und ihr Team. In den meisten Fällen äußert sich dies in einer Verschiebung biologischer Ereignisse wie der Paarung, der Brut oder der Migration parallel zu den steigenden Temperaturen. Diese Ereignisse haben sich bei vielen Spezies im Frühjahr vorverlegt. Weniger klar ist dagegen die Richtung der morphologischen Anpassungen, wie die Analysen ergaben. Sie zeigen bisher kein systematisches Muster. Dennoch: “Dies deutet darauf hin, dass Tierarten durchaus in der Lage sind, sich an Umweltveränderungen anzupassen”, sagt Co-Autor Steven Beissinger von der University of California in Berkeley. “Solange sie sich schnell genug verändern, um den Klimawandel zu bewältigen, könnten sie daher in ihrem Lebensraum bleiben, auch wenn dieser sich erwärmt.”





