Ein Waldspaziergang ist Erholung pur. Schon die Bewegung tut gut, dazu kommt ein Feuerwerk für die Sinne: das frische Grün, der Duft von Laub und Fichtennadeln, das Moos unter den Sohlen. Kein Wunder, dass es die Menschen scharenweise in den Wald zieht. Vier Millionen Besucher strömen jedes Jahr allein in den Naturpark Schönbuch südwestlich von Stuttgart. Sie wollen Pilze finden, einen Specht trommeln hören, Eichhörnchen beobachten oder sogar ein scheues Reh.
„Und wenn sie dann so eine Rückegasse sehen, wo die Holzerntemaschine Fahrspuren in den Dreck gedrückt hat, dann regen sich manche Waldbesucher fürchterlich auf“, erzählt Winfried Seitz. Der Revierförster betreut den im Naturpark gelegenen Stadtwald Herrenberg. Regelmäßig bietet er auch naturkundliche Exkursionen an. Wer sie mitgemacht hat, sieht besagte Fahrspuren mit anderen Augen. Denn darin bilden sich Pfützen, in denen sich die streng geschützte Gelbbauchunke Bombina variegata vermehrt. Die hässlichen Furchen sind also ein wertvolles Biotop für diese stark gefährdete Amphibienart. Besser gesagt: fast das einzige Refugium, das ihr in unserer Kulturlandschaft geblieben ist. Ihre natürlichen Lebensräume, die regelmäßig überschwemmten Auen der Bäche und Flüsse, wurden schon im vorletzten Jahrhundert bis auf wenige Reste zerstört. „Und so ist die Gelbbauchunke eben in den Wald gewandert, wo durch die Forstwirtschaft passende Ersatzlebensräume für sie entstanden sind“, berichtet Winfried Seitz.





