Wie bei anderen sozialen Insekten auch, herrscht im Termitenstaat klare Arbeitsteilung: Die Königin produziert den Nachwuchs, Arbeiter übernehmen die Brutpflege und Nahrungssuche und kräftige, gut gepanzerte Soldaten verteidigen das Nest. Im Gegensatz zu den “matriarchalischen” Staaten der Bienen und Ameisen besteht eine Termitenkolonie jedoch zu gleichen Teilen aus männlichen und weiblichen Tieren – und das auf allen Ebenen der krabbelnden Gesellschaft. Auch die Termitenkönigin lebt Zeit ihres Lebens mit einem viel kleineren Männchen zusammen, sozusagen ihrem “König”.
Nur Weibchen im Staat
Doch wie sich nun zeigt, gibt es auch Ausnahmen von dieser Regel. Für ihre Studie hatten Toshihisa Yashiro von der Universität Kyoto und ihre Kollegen 74 Kolonien der Termitenart Glyptotermes nakajimai an verschiedenen Standorten in Japan untersucht. Typischerweise leben diese Termiten in trockenem Holz und bilden dort Staaten aus mehreren tausend Einzeltieren beiderlei Geschlechts. Bei 37 der untersuchten Kolonien traf dies auch zu, wie die Forscher berichten. Anders war dies jedoch bei den 37 Kolonien, die an der Küste der Inseln Shikoku und Kyushu lagen: Bei diesen fehlten männliche Tiere komplett. Alle Termiten der Arbeiter- und Soldatenkaste waren weiblich und statt des Königspaares gab es zwei oder drei Königinnen.
Als die Biologen daraufhin die Spermienbehälter dieser Termitenköniginnen untersuchten, stellten sie fest, dass diese leer waren. Diese Königinnen legten demnach Eier und produzierten alle Tiere ihrer Kolonie, ohne dass sie sich jemals mit einem Männchen gepaart hatten. “Das ist unseres Wissens nach das erste Mal, dass man bei Termitenköniginnen in natürlichen Kolonien leere Spermatheken findet”, sagen Yashiro und ihre Kollegen. “Bei allen bisher dokumentierten Fällen hatten selbst Königinnen ohne Partner immer Spermien in ihren Spermatheken.”
Einmaliger Wechsel zur asexuellen Fortpflanzung
Das aber bedeutet: Obwohl die Art Glyptotermes nakajimai sich normalerweise sexuell fortpflanzt, hat sich bei einigen Kolonien offenbar eine asexuelle Fortpflanzung entwickelt. Dabei schlüpfen Arbeiterinnen, Soldatinnen und auch neue Königinnen aus unbefruchteten Eiern. Weil es kein väterliches Erbgut mit männlichen Geschlechtschromosomen gibt, können bei dieser Parthenogenese keine Männchen entstehen. Alle Nachkommen dieser Termitenköniginnen sind weiblich.
“Das ist der erste Beweis dafür, dass Termiten auch komplett ohne Männchen auskommen können und ganz gut als rein weibliche Kolonie überleben können”, sagt Yashiro. Wie sie und ihre Kollegen bei DNA-Vergleichen von Termiten aus sexuellen und asexuellen Kolonien herausfanden, unterschieden sich die beiden Varianten der Termitenart Glyptotermes nakajimai auch genetisch: Die asexuelle Variante besitzt 35 statt 34 Chromosomen. Das 16. Chromosomenpaar besteht bei ihnen aus drei Chromosomen.





