Ein telemetrisches System, das Tauchunfälle verhindert, wollen Wissenschaftler des Universitätsklinikums Benjamin Franklin in Berlin entwickeln. In Experimenten untersuchen sie derzeit, wie der menschliche Körper unter Wasser mit der Ausschüttung von Stresshormonen (Katecholamine wie Adrenalin und Noradrenalin) reagiert. Die Experimente sollen Aufschluss darüber geben, inwieweit die Ausschüttung von Stresshormonen eine wichtige Messgröße zur Beurteilung der Tauchtauglichkeit ist. Gleichzeitig sollen sie die Grundlage für die Entwicklung des Gerätes bilden, das beispielsweise die Herzfrequenz eines Tauchers aus der Ferne überwachen kann.
Beim Tauchen dringt der Mensch in eine aufregende, unter Umständen auch gefährliche Welt ein – “Aufregung” steigert die Aktivität des vegetativen Nervensystems, das aus den Nebennieren Stresshormone freisetzt. “Aufregung” kann damit über Messungen des Hormonspiegels im Blut bestimmt werden. Erregung hat ihren Sinn: Sie versetzt den Körper in Alarmbereitschaft und damit in die Lage, schnell auf unterschiedliche – möglicherweise gefährliche – Situationen zu reagieren. Zu starke Erregung ist allerdings schädlich. Ein übermäßiger Anstieg von Stresshormonen erhöht das Risiko für das Herz-Kreislauf-System und damit für plötzliche Todesfälle – auch beim Tauchen.
Für das nach dem Meeresgott Proteus benannte Projekt – “Protois” – lassen sich 18 Rettungstaucher der DLRG einen arteriellen Zugang am Handgelenk legen. Das ermöglicht es den Wissenschaftlern, bis in eine Tauchtiefe von 44 Metern den Probanden Blutproben abzunehmen. Anhand dieser Daten untersuchen die Forscher dann die Folgen akuter Belastung auf die Sympathikusaktivierung. Jeder Taucher wird an drei verschiedenen Tauchprofilen (Heliox, Sauerstoff und Pressluft) teilnehmen. Für die Bestimmung der Katecholamine sind mehr als 300 Blutentnahmen notwendig. Zur Überwachung tragen die Probanden während der Tauchgänge ein Herzfrequenzmessgerät.
pte





