Kunst und Ausstrahlung einer Primaballerina werden nach einer Studie israelischer Forscher maßgeblich von ihren Genen geprägt: Tänzer verfügen nämlich sehr viel häufiger als die restliche Bevölkerung über zwei bestimmte Genvarianten, die Extrovertiertheit und Kreativität fördern. Dabei handelt es sich um Gene, die den Transport und die Verarbeitung von bestimmten Botenstoffen im Gehirn steuern, entdeckte ein israelisch-französisches Forscherteam.
Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler um Richard Ebstein von der Hebräischen Universität in Jerusalem 85 Tänzerinnen und Tänzer, die klassisches Ballett, modernen Tanz oder Jazztanz ausübten. Ein Teil der Studie bestand in der genetischen Analyse bestimmter Erbgutabschnitte der Künstler und ihrer Eltern. In einem weiteren Teil mussten die Künstler Fragebögen ausfüllen, die insbesondere auf Eigenschaften wie Kreativität, Ausdrucksfähigkeit und Einfühlungsvermögen abzielten.
Anschließend verglichen die Forscher das genetische Profil der Tänzer und die Fragebogenergebnisse mit zwei Vergleichsgruppen: Die eine Gruppe bestand aus 91 Sportlern, bei denen eine ähnliche Körperbeherrschung und Konzentration vermutet wird wie bei Tänzern. Die andere Gruppe bestand aus 872 Menschen, die weder eine tänzerische noch eine sportliche Begabung besaßen.
Tänzer zeigen ein ganz charakteristisches genetisches und persönliches Profil, schließen die Forscher aus dem Vergleich der drei Gruppen. Insbesondere zwei Genvarianten, die die Baupläne für den so genannten Serotonin-Transporter und einen Rezeptor für das Hormon Vasopressin enthalten, konnten die Forscher mit der kreativen Ausdruckstärke von Tänzern in Verbindung bringen. Der Botenstoff Serotonin beeinflusst direkt die Gehirnaktivität und steuert Wahrnehmung, Gefühle und Einfühlungsvermögen. Vasopressin kann Ausdruckskraft und Kommunikationsstärke modulieren und spielt bei der Bildung von sozialen Bindungen eine Rolle.
Die Forscher gehen davon aus, dass sich im Laufe der Menschheitsentwicklung diese künstlerische Veranlagung ins Erbgut eingeschrieben hat ? schließlich spielt neben der Musik der Tanz in fast jeder Kultur eine zentrale Rolle, etwa in Ritualen, beim Ausdrücken von Gefühlen und beim Kontakte knüpfen.
Richard Ebstein (Hebräische Universität, Jerusalem) et al.: PLoS Genetics, Bd. 1, Nr. 3, S. e42 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





