Der Tanganjikasee in Ostafrika ist der zweitgrößte See Afrikas und berühmt für seinen Reichtum an Fischen und anderen Tierarten, die nirgendwo sonst auf der Welt vorkommen. Die Weltnaturschutzunion IUCN bezeichnet ihn sogar als artenreichsten Ort der Welt. Für die Menschen rund um den See ist das Gewässer zugleich ihre wichtigste Nahrungs- und Einkommensquelle. Rund 200.000 Tonnen Fisch werden pro Jahr gefangen.
Fischbestände nehmen ab
Doch der Fischreichtum des Tanganjikasees schwindet und seine Artenvielfalt ist in Gefahr: Seit mehreren Jahrzehnten nimmt die Produktivität ab, die Netze der Fischer bleiben häufiger leer. “Einige sagen, das Problem des Tanganjikasees seien zu viele Fischerboote”, erklärt Andrew Cohen von der University of Arizona. Die Überfischung gilt als eine der Hauptursachen für den Artenschwund.
Ob aber die Überfischung allein schuld ist, haben Cohen und seine Kollegen nun genauer untersucht. Dafür entnahmen sie Sedimentproben vom Seegrund und analysierten deren biologische und chemische Zusammensetzung. Auf diese Weise konnten sie die Geschichte des Sees in den letzten 1.500 Jahren rekonstruieren.
Erwärmung hat Mitschuld
Dabei zeigte sich: Der Rückgang der Fischbestände und anderer Seebewohner begann nicht erst mit der intensiven Befischung in den 1950er Jahren. Stattdessen nahmen die Artenzahlen und Häufigkeiten schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts ab, wie die Forscher feststellten. “Unsere Arbeit zeigt, dass der Rückgang der Fischbestände schon damals begann”, sagt Cohen.
Das Seesediment verriet den Forschern auch den Grund dafür: die Erwärmung. “Wir können sehen, wie die Fische weniger werden, während die Seetemperatur langsam ansteigt”, berichtet Cohen. Gleichzeitig wurden auch die Algen im See weniger – und damit das Hauptfutter für viele Fische und Wassertiere. Als Folge kann der See einigen Tierarten nicht mehr genügend Nahrung bieten.
Sauerstoffmangel lässt Lebensraum schrumpfen
Die Erwärmung des Tanganjikasees hat aber noch eine fatale Auswirkung: Die dauerstoffarme Todeszone am Grund des Sees wird immer größer. Bei vielen tiefen tropischen Seen ist das Temperaturgefälle zwischen der warmen Oberfläche und dem kälteren Tiefenwasser relativ groß. Weil dies auch die Dichte des Wassers beeinflusst, mischen sich die verschiedenen Wasserschichten kaum noch – und es gelangt kaum frischer Sauerstoff in die Tiefe.





