Die Hausmaus (Mus musculus domesticus) ist schon seit gut 15.000 Jahren ein enger Begleiter und Nutznießer des Menschen. Als unsere Vorfahren begannen, sesshaft zu werden und dann zu Bauern wurden, etablierte sich die Hausmaus als unser Mitbewohner und verdrängte nahezu alle andern Mäusearten aus unserem unmittelbaren Umfeld. Heute kommen die Hausmäuse nahezu auf der ganzen Welt vor – die Allesfresser hausen überall dort, wo Menschen leben.
Was macht eine Jungmaus zum Migranten?
Wächst eine junge Maus in einer Gruppe auf, bleibt sie häufig in dieser Population – aber nicht immer. Einige Jungmäuse werden zu Migranten und wandern in andere Gruppen oder sogar ganz neue Gebiete aus. Unter bestimmten Bedingungen können diese “Wandermäuse” zu einer echten Plage werden. Vermehren sich diese Mäuse nämlich unkontrolliert an Orten, an denen sie nicht heimisch sind, so kann dies das gesamte Ökosystem aus dem Gleichgewicht bringen.
Um herauszufinden, was Jungmäuse zu Wanderern macht, haben nun Jan-Niklas Runge von der Universität Zürich und seine Kollegen ihre Forschung in eine Scheune nahe Zürich verlegt. Denn dort leben vier Gruppen von Hausmäusen, bei denen sie acht Jahre lang das Kommen und Gehen der Jungtiere beobachtet haben. Zusätzlich führten die Wissenschaftler Genanalysen durch, um herauszufinden, ob es erbliche Faktoren gibt, die einige Jungtiere “wanderlustiger” als andere machen.
“Egoistische” Gene treiben Jungmäuse hinaus
Und tatsächlich: Wie die Forscher ermittelten, wechseln Hausmäuse, die ein bestimmtes egoistisches “Supergen” in sich tragen, deutlich häufiger die Population als ihre Artgenossen. Dieses Supergen, der sogenannte t-Haplotyp, ist ein Komplex aus mehreren gemeinsam vererbten Genen, die sich besonders rabiat im Erbgut durchsetzen: “Dieses Supergen verschafft sich gegenüber anderen Genen einen unfairen Vorteil bei der Vererbung”, erklärt Runge. Denn Spermien, die das Supergen tragen, vergiften konkurrierende Spermien desselben Tieres und erhöhen ihre Befruchtungschance dadurch auf 90 Prozent.
Wie sich nun zeigt, beeinflusst das Supergen aber auch das Verhalten seiner Träger: Träger des t-Haplotyps verließen ihre Gruppe fast 50 Prozent häufiger als Mäuse, die diese Genkombination nicht besaßen. Die Wissenschaftler glauben, dass das Supergen die Mäuse zu Migranten macht, um sich selbst immer weiter auszubreiten und seine Existenz im Genpool zu sichern. Denn nimmt das Supergen in einer Population überhand, kann dies dazu führen, dass es sich selbst auslöscht. So sind beispielsweise Mäuse, die zwei Kopien des Supergens erhalten, nicht mehr lebensfähig.





