Von RALF STORK
Im zentralen Lichthof des Berliner Naturkundemuseums gibt es ein Exponat von unschätzbarem wissenschaftlichem Wert. Nein, gemeint ist nicht Giraffatitan brancai, das mit 13,27 Metern Höhe größte Dinosaurierskelett der Welt, Publikumsliebling und absoluter Blickfang. In einer kleinen Nische im gleichen Raum, leicht zu übersehen, ist hinter dickem Panzerglas das berühmte Berliner Exemplar des Archaeopteryx ausgestellt. Auf der rund 50 mal 60 Zentimeter großen Kalksteinplatte, die zwischen 1874 und 1876 bei Eichstätt aus dem Stein geborgen wurde, ist das Skelett eines Urvogels zu sehen, der vor 150 Millionen Jahren gelebt hat. Es hat eine Reihe reptilienähnlicher Merkmale: Gut zu erkennen sind der lange knöcherne Schwanz und die Krallen an den Flügelenden. Zähne im Schnabel gibt es ebenfalls. Was auch zu sehen ist: Zwei leicht angewinkelte Flügel und – eindeutig – die Abdrücke von Schwungfedern. Archaeopteryx hatte auch schon ein Gabelbein, einen typischen Vogelknochen, der aus dem Verschmelzen der Schlüsselbeine hervorgegangen ist, beim Fliegen den Brustkorb schützt und die Flügelschläge federnd verstärkt. Wie gut Archaeopteryx tatsächlich fliegen konnte, ist nicht ganz klar. Zumindest konnte er gleiten, vielleicht auch aktiv von Baum zu Baum flattern.





