Zwei neue Studien versprechen eine bessere Behandlung von Depressionen: Die Erfolgsaussichten der Therapie steigen durch einen Stufenplan, fanden Berliner Ärzte heraus. Mediziner der Universität Bonn stellten zudem eine Methode der Nerv- Stimulation vor, die Patienten mit schweren Depressionen besser helfen soll als bisher. Jeder fünfte Deutsche kennt nach Angaben der Bonner Universität innere Leere und Freudlosigkeit bis hin zu Selbstmordgedanken. Bei bis zu 20 Prozent der Patienten hielten die Beschwerden monate- oder jahrelang an.
Die Arbeitsgruppe um Mazda Adli und Michael Bauer von der Freien Universität Berlin behandelte insgesamt 74 depressive Patienten nach einem Stufenplan, dem ein “Entscheidungsbaum” zu Grunde liegt: Führt die erste Stufe des Behandlungsplanes nach 14 Tagen nicht zum erwünschten Erfolg, wird die zweite, schärfere Stufe der Therapie beschritten – und so weiter. Bisher richte sich die Behandlung von Depressionen üblicherweise nach dem individuellen Ermessen des Arztes, erläuterte Adli.
Nach dem Stufenplan therapierte Patienten mussten im Schnitt 18 Tage kürzer behandelt werden und wurden zehn Tage früher aus dem Krankenhaus entlassen, als die Patienten einer gleich großen Kontrollgruppe, die auf übliche Art behandelt wurden. Die Patienten der “Stufenplangruppe” haben weniger ausgeprägt chronische Krankheitsverläufe und nehmen weniger Medikamente, berichteten die Mediziner.
Während nach sieben Behandlungswochen die Hälfte der nach Stufenplan behandelten Patienten weitgehend beschwerdefrei war, wurde diese Rate bei Patienten der Kontrollgruppe erst nach zwölf Wochen erreicht. Nach ihren bisherigen, ermutigenden Ergebnissen will die Berliner Gruppe nun ihre Erfahrungen in einer bundesweit angelegten Studie mit 450 Patienten auf eine breitere Basis stellen, kündigte Adli an.
Wenn herkömmliche Methoden nicht anschlagen, wollen die Bonner Mediziner depressiven Patienten mit der elektrischen Stimulierung des so genannten Vagusnervs helfen, einem der zwölf Hirnnerven. Er gehört zum vegetativen Nervensystem, das unter anderem Blutdruck und Herzfrequenz steuert. Dazu implantieren die Mediziner den Patienten einen etwa taschenuhrgroßen Schrittmacher unter die Haut, von dem eine feine Leitung zum Vagusnerv im Halsbereich führt. Die Methode hat nach Angaben der Bonner Universität in ersten klinischen Studien ihre Wirksamkeit bereits bewiesen.
dpa





