Tabakkonzerne nutzen ihre engen Geschäftsbeziehungen zu Pharmaherstellern, um Anti-Raucher-Kampagnen zur Werbung für Nikotinpflaster und ?kaugummis zu bremsen. Das prangern amerikanische Gesundheitsexperten im Fachmagazin “JAMA” der Amerikanischen Medizinischen Gesellschaft an (Ausgabe vom 14. August). In einem Fall verdiente eine Holdinggesellschaft sogar sowohl an Zigaretten als auch an Ersatzprodukten.
Beim Anbau von Tabak werden große Mengen von Pflanzenschutzmitteln benötigt. Das erklärt die engen Beziehungen der Tabakkonzerne zu den Herstellern dieser Chemikalien, die häufig auch Pharmaprodukte entwickeln und vertreiben. Lisa Bero von der Universität in San Francisco (UCSF) und die Wirtschaftsexpertin Bhavna Shamasunder weisen in ihrer Studie nach, wie gut es Tabakkonzerne in den vergangenen zwanzig Jahren verstanden haben, Einfluss auf Anti-Raucher-Kampagnen der Pharmahersteller auszuüben.
Der Zigarettengigant Philip Morris habe beispielsweise den amerikanischen Hersteller eines Nikotinkaugummis dazu gebracht, einen Newsletter für Ärzte und Patienten mit Tipps für ein Beenden der Sucht einzustellen. Anstelle regelmäßiger Informationen wurde die Werbeaktion auf den lapidaren Satz reduziert: “Fragen Sie Ihren Arzt, wenn Sie mit dem Rauchen aufhören wollen.” Ähnliches sei Philip Morris mit Werbeaktionen für ein vom Pharmakonzern Ciba-Geigy hergestelltes Nikotinpflaster gelungen, schreiben Bero und Shamasunder.
Die beiden Autorinnen stützen sich auf Dokumente, die auf den Webseiten der Tabakkonzerne veröffentlicht worden waren. Das so gezeichnete Bild entspreche zumindest der Lage von Mitte der 80er Jahre bis Mitte der 90er Jahre. Ob es heute noch ähnliche Beziehungen zwischen Tabakindustrie und manchen Pharmaunternehmen gebe, sei nicht klar zu sagen, da aktuelle Dokumente fehlten.
ddp/bdw – Ulrich Dewald





