Möglicherweise gibt es einen Zusammenhang zwischen niedrigem Blutdruck und Legasthenie. Die Ergebnisse einer britischen Studie unterstützen die Vermutung, dass ein im Übermaß produzierter Zellbestandteil für beides verantwortlich sein kann: Erweiterte Blutgefäße, die den Blutdruck erniedrigen, und gestörte Hirnfunktionen, die zur Legasthenie führen. Das berichtet BBC-Online.
Die Ursache von Legasthenie, der Lese- und Rechtschreibschwäche, ist noch nicht bekannt. Vermutet wird, dass ein bestimmtes Phospholipid dabei eine Rolle spielen könnte. Phospholipide sind fettartige Bestandteile der Zellmembran, die auch für die Signalübertragung durch Nervenzellen von Bedeutung sind. Eine dieser Verbindungen bewirkt unter anderem, dass sich Blutgefäße erweitern. Ein Zuviel davon könnte damit auch zu erniedrigtem Blutdruck führen.
Um diese Hypothese zu überprüfen, untersuchten Wissenschaftler der Universität Oxford 112 Legastheniker im Alter von sechs bis zwölf Jahren. Unter deren Familienangehörigen traten Fälle von Bluthochdruck seltener auf, als in Familien von gesunden Kontrollpersonen. Die 49 Legastheniker, bei denen das jedoch der Fall war, schnitten bei Lese- und Buchstabiertests besser ab als die anderen Probanden.
Das lässt vermuten, dass eine Veranlagung zu Bluthochdruck die Wahrscheinlichkeit und das Ausmaß einer Legasthenie vermindert. Eine größere Untersuchung ist geplant, die diesen Zusammenhang absichern soll. John Stein und seine Mitarbeiter fühlen sich durch das vorläufige Ergebnis in ihrer Annahme bestätigt: “Unseres Wissens gibt es keine andere Hypothese, die dieses Ergebnis erklären würde.”
Legasthenie wird vorwiegend bei Jungen mit einer Häufigkeit von sechs bis zehn Prozent diagnostiziert. Typisch sind Probleme bei Lesen und Rechtschreibung, manchmal kommen noch Sprachstörungen, Konzentrationsschwäche oder eine spezielle Form der Fehlsichtigkeit hinzu. Der Umgang mit Zahlen und andere geistige Fähigkeiten sind nicht beeinträchtigt.
Joachim Czichos





