Ältere Affen sind in Stresssituationen weniger angespannt, wenn sie schon als Jungtiere leichtem Stress ausgesetzt sind. Das fanden amerikanische Wissenschaftler heraus, als sie einige Affenkinder zeitweise von ihrer Mutter trennten. Für die Ausschüttung von Stresshormonen spielte es dabei keine Rolle, wie viel Zuwendung der Nachwuchs insgesamt von seiner Mutter bekam. Auch männliche Affen, die in einer Umgebung mit wenig Nahrung aufwachsen, können später besser mit Anspannung umgehen.
Für ihre Studie zogen die Forscher um Karen Parker von der Universität in Stanford 30 Totenkopf-Affen unter verschiedenen Bedingungen auf: Einige der Äffchen, die zu Beginn der Studie vier Monate alt waren und bis dato mit ihren Müttern in größeren Gruppen gelebt hatten, mussten zehn Wochen lang jeweils eine Stunde wöchentlich in einem separaten Käfig verbringen. Andere Junge durften zwar bei ihrer Mutter bleiben, waren jedoch gemeinsam mit ihr von ihrer Horde getrennt. Die Tiere in der Kontrollgruppe dagegen blieben ungestört und somit stressfrei.
Drei Wochen nach dem Testende trennten die Forscher alle Affenkinder kurz von ihrer Gruppe und maßen die Konzentration des Stresshormons Cortisol im Blut. Dabei fanden sie den höchsten Level bei den behüteten Tieren aus der Kontrollgruppe. Die an unangenehme Situationen gewöhnten Primaten hingegen hatten einen deutlich niedrigeren Cortisolspiegel ? unabhängig davon, ob sie kurzzeitig völlig allein waren oder mit ihrer Mutter isoliert aufwuchsen. Letztere Äffchen hatten jedoch insgesamt etwas weniger elterliche Zuwendung bekommen als ihre kurzzeitig einsamen Artgenossen. Die mütterliche Aufmerksamkeit spielte hier für die Stressresistenz keine entscheidende Rolle, schlossen die Forscher.
Ein zweiter Test bestätigte dieses Ergebnis: Einige Totenkopfaffen wuchsen drei Monate lang in einer Umgebung auf, wo die Nahrungssuche schwierig und zeitraubend für die Mutter war, während andere Jungtiere leichten Zugang zu Futter und damit auch mehr Aufmerksamkeit hatten. Als alle Affen acht Jahre alt waren, banden Parker und ihre Kollegen sie kurz fest und testeten die Antwort verschiedener Stresshormone in Blut auf diese unangenehme Situation. Wieder waren die in der schwierigeren Umgebung groß gewordenen Tiere unempfindlicher. Außerdem zeigte sich, dass erwachsene Weibchen im Gegensatz zu ihren männlichen Artgenossen keine im Hormonspiegel sichtbare Stressresistenz entwickelt hatten. Dieser Unterschied könne eventuell mit geschlechtspezifischen Entwicklungen während der Pubertät zusammenhängen, kommentieren die Wissenschaftler.
Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu den Erkenntnissen früherer Experimenten mit Ratten, nach denen vor allem die mütterliche Pflege entscheidend für die spätere Stressempfindlichkeit der Tiere ist. Aus solchen Versuchen erhoffen sich Wissenschaftler auch Rückschlüsse auf die Wirkung von Belastungen auf den Menschen. Affen seien wegen ihrer engeren Verwandtschaft zum Menschen dafür wohl besser geeignet als Ratten, argumentieren die Forscher.
Karen Parker et al. (Stanford Universität): PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0506571103 ddp/wissenschaft.de ? Anna-Lena Gehrmann





