Die Wechselwirkungen von Klima und Ozeanen sind notorisch komplex. Klar ist aber, dass das System der großräumigen Meeresströmungen eine Schlüsselrolle für die Wärmeverteilung auf unserem Planeten spielt. So transportieren beispielsweise der Golfstrom und der Nordatlantikstrom warmes Meerwasser aus dem tropischen Atlantik bis an die Küsten Europas und sorgen damit für das vergleichsweise milde Klima unseres Kontinents. Der Motor für diese wichtige Strömung ist die sogenannte Atlantische Meridionale Umwälzströmung, kurz AMOC. Angetrieben durch Unterschiede im Salzgehalt und der Temperatur des Meerwassers sinkt vor Grönland warmes, salziges Wasser in die Tiefe und strömt dann abgekühlt in der Tiefe nach Süden. Der Sog dieser “Pumpe” wiederum zieht warmen Wassernachschub aus tropischen Breiten in den Norden.
Schwankende Umwälzpumpe
Schon seit einigen Jahren jedoch stellen Wissenschaftler fest, dass diese Umwälzpumpe im Nordatlantik nachlässt. Studien zufolge hat sich die Strömung seit 1950 um rund 15 Prozent abgeschwächt – sie ist heute so schwach wie nie zuvor in den vorhergehenden 1500 Jahren. Zwar ist bereits bekannt, dass es auch natürliche, zyklisch wiederkehrende Schwankungen der Nordatlantikzirkulation gibt, die aktuellen Veränderungen gelten aber als zu stark, um allein damit erklärt zu werden. Gängiger Theorie nach ist dafür vor allem der verstärkte Einstrom von Schmelzwasser verantwortlich. Dieses Süßwasser aus den dank Klimawandel immer schneller tauenden Gletschern Grönlands stört die sensible Regulation der Umwälzpumpe. Setzt sich dieser Trend fort, könnte die Nordatlantikzirkulation ganz kollabieren – für Europa fiele damit die “Fernheizung” weg und eine Kälteperiode drohte, so jedenfalls die gängige Lehrmeinung.
Doch nun liefern zwei Wissenschaftler eine ganz andere Sicht auf die atlantische Umwälzströmung und die Folgen ihres Schwächelns. Denn ihrer Ansicht nach führt gerade eine Abschwächung der AMOC zu einer Klimaerwärmung – das ist das Gegenteil der bisherigen Annahmen. Für ihre Studie haben Xianyao Chen von der Ocean University of China in Qingdao und Ka-Kit Tung von der University of Washington in Seattle die Entwicklung der AMOC in den letzten Jahrzehnten rekonstruiert und ausgewertet. Dabei nutzten sie Messdaten des nordatlantischen Salzgehalts ab etwa 1850, sowie Temperatur- und Salinitäts-Daten von Messbojen des im Jahr 2004 gestarteten ARGO-Programms. Aus diesen Daten schließen die Forscher, dass sich die Umwälzströmung von 1975 bis 1998 in einer langsamen, abgeschwächten Phase befand, sie aber dann wieder an Fahrt aufnahm. Erst seit 2005 nimmt die Stärke der Umwälzströmung wieder ab. “Die aktuelle Abschwächung könnte demnach Teil des natürlichen Zyklusses sein und es gibt schon Anzeichen dafür, dass sie wieder endet”, sagt Tung.





