In den 90ern wurde der Fleckenkauz zum Symbol für Umweltschutz im Nordwesten der USA. Inzwischen droht dem Raubvogel die Verdrängung durch den Streifenkauz. Deswegen haben die Behörden geplant, über 30 Jahre hinweg fast eine halbe Million Exemplare der zugewanderten Eulenart zu töten.
Sie haben noch 2 von 3 kostenlosen Artikeln übrig1/3
Text: Roman Goergen
Wenn Noah Greenwald über die etwa 45 Zentimeter großen Fleckenkäuze (Strix occidentalis) spricht, wird seine Stimme sanfter und ein leichtes Lächeln umspielt seine Lippen. „Ich finde sie unglaublich faszinierend. Sie kommen, wenn man sie ruft, weil sie so neugierig sind – fast wie eine Katze. Dann sitzen sie da und schauen dir direkt in die Augen“, berichtet der Direktor des Center for Biological Diversity (CBD). Die amerikanische Umweltschutzorganisation konzentriert sich vor allem darauf, Verstöße gegen das 1973 in den USA verabschiedete Gesetz zum Schutz bedrohter Arten (Endangered Species Act – ESA) aufzudecken und zu bekämpfen, indem sie Regierungsbehörden oder Unternehmen wenn nötig verklagt.
Die Geschichte des CBD und die der Fleckenkäuze sind eng miteinander verwoben. In Greenwalds Schilderungen schwingt seine Zuneigung zu der kleinen Eulenart mit den dunklen Augen mit – der Ökologe hat die Vögel zu Beginn seiner Karriere in den Wäldern der Staaten Washington und Oregon selbst beobachtet und erforscht. So erzählt Greenwald etwa davon, wie er den Käuzen tote Mäuse anbot, um festzustellen, ob im Nest Nachwuchs wartet, dem sie die Beute bringen würden. „Stattdessen waren sie am Morgen nach einer durchwachten Nacht oft so müde, dass sie auf einem Ast saßen und mit der Maus im Schnabel einfach einschliefen – und du stehst daneben und schaust ihnen dabei zu“, schmunzelt der Naturschützer.
Kampf um ein Ökosystem
Für Forscher wie Greenwald sind Fleckenkäuze mehr als nur eine der in den USA heimischen 19 Eulenarten, sie sind vielmehr ein bedeutsames Symbol für das gesamte Ökosystem des pazifischen Nordwestens, das von gewaltigen Baumriesen geprägt ist sowie den zahlreichen Tierarten, die das Gebiet als Lebensraum nutzen. „Wir haben hier das große Glück, dass es noch immer Überreste dieser uralten Wälder gibt“, so Greenwald. Geht es den Fleckenkäuzen gut, dann geht es auch den alten Wäldern gut, war lange das Motto für diese majestätischen Landschaften, die auch wichtige Kohlenstoffspeicher im Kampf gegen den Klimawandel sind. Doch in den vergangenen 150 Jahren haben die Urbanisierung und der Appetit der Holzindustrie die alten Wälder und ihre tierischen Bewohner immer weiter zurückgedrängt. Besonders betroffen ist der Fleckenkauz, vor allem, weil er selbst keine Nester baut, sondern die Höhlen und Wucherungen der alten Giganten nutzt. In kleineren Bäumen gibt es diese nicht.
Was zunächst nur nach einer ökologischen Randnotiz zu einem Vogel klingt, führte zu einem der größten Umweltkonflikte der USA – den sogenannten Timber Wars (Holzkriege). Schon Ende der 1980er Jahre wurde gewarnt, dass es laut Schätzungen nur noch weniger als 1.500 Brutpaare des Fleckenkauzes gab, daraufhin begannen Bemühungen, die Art zu schützen. Biologen forderten dabei auch den gesetzlichen Schutz der alten Wälder als Brutstätte und Lebensraum der Fleckenkäuze und anderer bedrohter Arten.
Pflanzen können nicht fliehen, wenn Trockenheit, Hitze oder Krankheitserreger zuschlagen. Stattdessen reagieren sie mit fein abgestimmten Strategien auf Stress.
Biologie
SMS von Mama: So entwickeln sich Pollen
3. Juli 2026
Woher weiß ein Pollen, was er werden soll? Wichtige Anweisungen dafür kommen offenbar als molekulare „SMS“ aus mütterlichem Pflanzengewebe.
Dagegen formierte sich jedoch massiver Widerstand der milliardenschweren Holzindustrie, die sich von einer wertvollen Einnahmequelle abgeschnitten sah. Es folgten gewaltsame Zusammenstöße zwischen Umweltschützern, der Polizei und Menschen aus den Gemeinden, die von der Holzverarbeitung lebten. 1994 schließlich stellte die Regierung unter Präsident Bill Clinton mithilfe des Northwest Forest Plan fast zehn Millionen Hektar dieses alten Waldes in Washington, Oregon und Nordkalifornien unter Schutz.
Invasion der Streifenkäuze
Doch die Anzahl der Fleckenkäuze stieg nicht wieder an. Im Gegenteil: 2021 veröffentlichte der Geologische Dienst der USA (U. S. Geological Survey – USGS) eine Analyse der Populationsgrößen von Fleckenkäuzen in elf Gebieten des Nordwestens seit 1995. Sie verzeichnete für alle Standorte einen Rückgang der Raubvögel von mindestens 50 Prozent, im Bundesstaat Washington waren es sogar über 80 Prozent. Dort gäbe es nur noch um die 120 Paare des Nördlichen Fleckenkauzes, einer der drei Unterarten des Kauzes.
Für dieses eklatante Verschwinden des Fleckenkauzes gibt es laut der Autoren der Analyse einen erheblichen Mitverantwortlichen. Der Übeltäter ist ein unmittelbarer Verwandter – der wesentlich aggressivere und stärker verbreitete Streifenkauz (Strix varia). „Er ist ein neues Raubtier in diesem Ökosystem und hat jetzt sehr hohe Populationsdichten erreicht“, sagt Mitautor und Greifvogelexperte David Wiens vom USGS. Die Forschungspublikationen von Wiens und seinen Kollegen beschreiben die Ausbreitung der Streifenkäuze wie eine Invasion. So begannen die Raubvögel schon im frühen 20. Jahrhundert, sich vom Osten der USA langsam in Richtung Pazifikküste auszubreiten. Dort wurden die ersten Exemplare in den 1970er Jahren gesichtet.
Inzwischen haben sich die Streifenkäuze im Nordwesten mit vermutlich mehr als 100.000 Tieren vollständig etabliert. Verschiedene Schätzungen gehen davon aus, dass in den USA insgesamt heute wenigen Tausend verbliebenen Fleckenkäuzen bis zu drei Millionen Streifenkäuze gegenüberstehen. Deren Habitat überschneidet sich nun vollständig mit dem der Fleckenkäuze, wobei die alteingesessene Art in diesem Verdrängungskampf kaum Chancen hat. Der Streifenkauz ist physisch überlegen. Mit einer robusteren Statur, markanten Streifen im Gefieder und breiteren Flügeln ist er ein beeindruckender Jäger. Im Gegensatz zum wählerischen Fleckenkauz frisst der Streifenkauz ein breites Spektrum an Beutetieren, passt sich an verschiedene Lebensräume an und verteidigt sein Territorium energisch. Der Streifenkauz besetzt nicht nur die Nistplätze des Fleckenkauzes, sondern attackiert ihn direkt – oft mit tödlichem Ausgang. „Die Zahlen aus unserer Analyse sind schon einige Jahre alt. Inzwischen gibt es fast gar keine Fleckenkäuze mehr im nördlichen Teil ihres ursprünglichen Verbreitungsgebietes“, stellt Wiens fest. Und auch die Population im Süden ist in Gefahr. „Die Streifenkäuze haben jetzt damit begonnen, sich in das Gebiet der Kalifornischen Fleckenkäuze auszubreiten, einer weiteren der drei Unterarten. Wir haben jetzt noch die Gelegenheit, zu verhindern, dass der Kalifornische Fleckenkauz ausgerottet wird“, sagt CBD-Vertreter Greenwald, „tun wir jetzt nichts, sterben alle Fleckenkäuze sehr bald aus“, warnt er.
Außerdem schade der Streifenkauz nicht nur dem Fleckenkauz. Es gehe auch um andere an der Pazifikküste der USA heimische Eulenarten, insbesondere kleinere wie die Kreischeule und den Sägekauz. „Wir haben umfangreiche Studien zu den Ernährungsgewohnheiten von Streifenkäuzen in ihrem erweiterten Verbreitungsgebiet durchgeführt und festgestellt, dass sie mehr Amphibien, wie Frösche und Salamander, fressen als jede andere von uns untersuchte Eulenart“, sagt David Wiens. Diese Eingriffe in die Nahrungskette könnten langfristig weitreichende Folgen für die Balance des Ökosystems haben, warnt der Wissenschaftler.
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) hat festgestellt, dass invasive, gebietsfremde Arten seit dem 17. Jahrhundert in rund 40 Prozent aller Fälle eine Rolle bei der Ausrottung von Tierarten gespielt haben. Nur Habitatverlust ist für das Artensterben ein noch verheerenderer Faktor. Der Präsident der Organisation Animal Wellness Action, Wayne Pacelle, bestreitet allerdings den Status des Streifenkauzes als invasiv: „Das ist politische Rhetorik“, sagt er. „Der Streifenkauz ist einheimisch in den USA und hat sich einfach durch natürliche Erweiterung seines Gebiets nach Westen ausgebreitet.“ Doch ob formell invasiv oder nicht, der Zuwanderer hat den alteingesessenen Arten durch seine Anpassungsfähigkeit und Aggressivität ernsthaften Schaden zugefügt.
Frei zum Abschuss?
Die zuständige Bundesbehörde für die Umsetzung von Schutzmaßnahmen für bedrohte Arten, der U. S. Fish and Wildlife Service (USFWS), hat mehrere Jahre lang an einem Rettungsplan gearbeitet und im Juli 2024 das Resultat verkündet: Überall dort, wo Fleckenkäuze gefährdet sind, soll eine bestimmte Quote an Streifenkäuzen von den Behörden getötet werden, vornehmlich durch Abschuss. Die Eulen sollen mit Tonaufnahmen ihres Rufes angelockt und dann mit Schrotflinten erlegt werden. In Washington, Oregon und Kalifornien sollen dabei zusammen pro Jahr 15.000 Exemplare entfernt werden, was sich innerhalb der anvisierten Zeitspanne von 30 Jahren auf bis zu 450.000 gekeulte Streifenkäuze summieren würde. Diese gewaltige Zahl an getöteten Wildtieren lässt Kritiker von der umstrittensten Naturschutzmaßnahme in der Geschichte der Vereinigten Staaten sprechen. Der USFWS rechtfertigte die radikale Maßnahme jedoch mit der immanenten Gefahr der Ausrottung einer anderen Art: „Wir haben keine Situationen gefunden, in denen Fleckenkäuze mit Streifenkäuzen mithalten können – weder in bestimmten Lebensraumtypen noch unter irgendwelchen Bedingungen“, sagte Robin Bown vom USFWS in einem Regionalsender in Oregon. Die Behörde betont, dass es nicht darum ginge, die Streifenkäuze komplett zu entfernen, sondern darum, ihre Dichten so zu verringern, dass der Fleckenkauz eine Überlebenschance habe – nach Angaben der Forscher würden die Abschüsse im Verhältnis zur Vermehrungsrate der Invasoren lediglich zu einem Populationsrückgang von einem Prozent führen.
Noah Greenwald, dessen Umweltschutzorganisation CBD die Maßnahme unterstützt, ergänzt: „Die Empörung liegt wohl vor allem auch an dieser Zahl, 450.000 – aber das ist eine Maximalprojektion über den gesamten langen Zeitraum.“ Niemand sei glücklich über eine solche Massentötung. „Der Gedanke allein ist sehr traurig. Aber nur das kann eine andere Art retten, die leidet“, so Greenwald.
Gegenwind
Kritiker wie Wayne Pacelle lehnen den Plan kategorisch ab. Er bezeichnet ihn als „radikal“ und „moralisch fragwürdig“. „Wir sprechen hier von der größten geplanten Tötung von Greifvögeln, die jemals von einer Regierung vorgeschlagen wurde“, sagt der Aktivist. Pacelle leitet eine auf inzwischen rund 240 Gruppen angestiegene Koalition, die sowohl klassische Tierwohlorganisationen als auch Umweltschutzgruppen umfasst. Im März 2024 hatte die Vereinigung die damalige amerikanische Innenministerin Deborah Haaland aufgefordert, den Plan zu stoppen und dabei auch vor einem Präzedenzfall gewarnt: „Wenn wir anfangen, Gewinner und Verlierer unter einheimischen Arten zu bestimmen, nur weil sie sozial miteinander konkurrieren, begeben wir uns auf einen gefährlichen Weg“, so Pacelle. Doch eine moralische Debatte sei nach Einschätzung des Tierwohlaktivisten ohnehin irrelevant, da die Idee bereits zuvor an praktischen Hindernissen scheitere: „Es ist ein sinnloses Unterfangen, überhaupt nicht durchführbar. Der Plan enthält keine Details zur Finanzierung, dazu, woher geschulte Jäger kommen sollen oder wie in schwer zugänglichen Wäldern überhaupt nachts gejagt werden soll.“
Es werden Nachfragen ans Innenministerium gestellt: Wie kann der USFWS garantieren, dass nur Streifenkäuze ins Visier genommen werden? Wie können wir verhindern, dass die überlebenden Streifenkäuze einfach die Gebiete wieder besiedeln und bevölkern, die wir zu schützen versuchen? Wie können wir rechtfertigen, fast eine Viertelmilliarde Dollar für eine einzige Art auszugeben, wenn so viele andere Arten ums Überleben kämpfen?
Für manche der Fragen gibt es Antworten aus der Wissenschaft. In einem der größten Experimente, die je mit Vogelpopulationen in freier Wildbahn durchgeführt wurden, haben geschulte Fachkräfte zwischen 2015 und 2019 in fünf Naturschutzgebieten der betroffenen Bundesstaaten insgesamt 2.485 Streifenkäuze getötet, um den Effekt auf Fleckenkäuze zu testen. Die Ergebnisse sprechen für sich: Während in den Kontrollgebieten ohne Tötungen der Rückgang der Fleckenkauzbestände bei etwa zwölf Prozent pro Jahr lag, blieben deren Populationen in den Gebieten, in denen die gestreiften Eindringlinge entfernt wurden, auf etwa gleichem Niveau.
Damit wurde erstmals klar bewiesen, dass die dramatischen Verluste an Fleckenkäuzen direkt auf die Konkurrenz durch Streifenkäuze zurückzuführen sind. David Wiens, der an der Durchführung und Auswertung des Experiments maßgeblich beteiligt war, hält aufgrund seiner Erfahrungen in diesen fünf Jahren einige der angesprochenen Probleme für lösbar: „Bei dem Experiment hatten wir hoch qualifiziertes Personal – Biologen, die alle Eulenarten leicht auch in der Nacht erkennen und mit Waffen im Wald umgehen können.“ Da die Streifenkäuze schnell auf Aufnahmen der Lockrufe reagierten, konnten die Tiere meist sofort und human erlegt werden, ohne dabei andere Arten zu gefährden. „Wenn ein Streifenkauz in einem Gebiet anwesend war, gelang es uns, mit einer über 90-prozentigen Wahrscheinlichkeit, diesen Vogel auch zu entfernen“, so Wiens.
Ein häufig geäußertes Argument gegen die Keulungen ist die Vermutung, dass einfach neue Streifenkäuze aus benachbarten Regionen nachrücken und die entfernten ersetzen würden. Doch das Experiment hat gezeigt, dass stattdessen eine für die Fleckenkäuze positive Dynamik entstehen kann: Oft kehren in die geräumten Gebiete ältere erfahrene Fleckenkäuze zurück, die sich gegen neu ankommende jüngere Streifenkäuze, die noch ohne Revier und Partner sind, durchaus durchsetzen können. Genau hier setzt der Plan an: Durch die Reduktion der Streifenkauz-Dichte werden Nischen geschaffen, in denen Fleckenkäuze überleben und sich behaupten können.
Langfristig könnten auch ergänzende Maßnahmen wie Verhütungsmittel für Streifenkäuze eingesetzt werden, um eine humanere Form der Populationskontrolle zu gewährleisten. Dies ist über Futter oder per Injektion möglich, jedoch sehr schwierig und aufwendig. Eine solche Verhütungsmaßnahme hilft auch nicht sofort, sondern zeigt erst in der Populationsgröße der nachfolgenden Generation eines Vogels Wirkung. Da Steinkäuze immerhin 20 Jahre alt werden können, würde es noch lange dauern, bis alle Vögel der aktuellen Generation von sich aus gestorben wären. „Bis dahin wäre der Fleckenkauz längst ausgestorben“, so Wiens.
Einmal eingreifen, ewig eingreifen
Die Zeit drängt also – in Washington sind die Entwicklungen nach Einschätzung der Forscher so dramatisch, dass es dort wohl schon zu spät sein könnte. David Wiens erklärt, dass die sehr geringe Zahl an Fleckenkäuzen und die Dominanz der Streifenkäuze den Erfolg der Strategie dort unsicher machen. Wenn es keine Fleckenkäuze mehr gibt, können auch keine die neu frei gewordenen Nischen besetzen.
Aber auch in Kalifornien und Südoregon wird es nicht einfach. Die Zahlenverhältnisse der beiden Arten und deren prognostizierte Entwicklungen deuten darauf hin, dass der Mensch sehr wahrscheinlich auch über die geplanten 30 Jahre hinaus regulierend zugunsten des Fleckenkauzes eingreifen muss. Im Artenschutz ist solch ein Umstand als „Ewig-Management“ bekannt. In den Diskussionen über den Verlust der Biodiversität wird heute oft argumentiert, dass sich unsere Natur generell in einem derart schlechten Zustand befindet, dass permanente Kontrollmaßnahmen nicht mehr vermeidbar sind. Auch Wiens bestätigt: „Die Kritiker haben recht, wenn sie darauf verweisen, dass es hier, so wie die Dinge stehen, wohl um ein solches Ewig-Management gehen wird“. Einer dieser Kritiker ist Wayne Pacelle. „Dies wird nur einen niemals endenden Zyklus von Streifenkauz-Tötungen schaffen“, stellt der Plangegner fest und kommt zu den immensen Kosten, die diese Maßnahmen bedeuten würden. „Jäger, die darin geschult sind, solche Keulungen qualifiziert und sicher vorzunehmen, würden nach unseren Berechnungen 235 Millionen Dollar kosten“, sagt Pacelle.
David Wiens räumt ein, dass die Experten aus seinem Experiment in einer größer angelegten Maßnahme schnell einen erheblichen Kostenfaktor darstellen würden: „Ich sehe momentan keinen Weg, wie eine Bundesbehörde für diesen Plan bezahlen könnte – und das allein könnte sich schon als entscheidendes Hindernis entpuppen.“
Ist die Rettung einer einzelnen Art einen solchen Kostenaufwand wert? CBD-Direktor Noah Greenwald hat darauf eine klare Antwort: „Wir stecken in einem globalen Massensterben und verlieren Arten mit einer tausendfach höheren Geschwindigkeit, als es natürlich wäre. Diese Arten geben uns Medizin, Nahrung, bereichern unser Leben und sind die Bausteine unserer Ökosysteme, verantwortlich für saubere Luft, sauberes Wasser und gemäßigtes Klima.“ Jede verlorene Art schwächt ein Ökosystem, jedes geschwächte Ökosystem führt die Welt näher an den Zusammenbruch. Für Greenwald steht daher fest: Die Rettung der Fleckenkäuze bedeutet den Schutz eines gesamten Ökosystems – und das rechtfertigt die hohen Kosten.
Zu lange gewartet?
Möglicherweise zeigt sich jedoch nun, dass zu lange geforscht, geprüft und debattiert – und nicht umgesetzt wurde. Seit Donald Trump als Präsident ins Weiße Haus zurückgekehrt ist, weht ein neuer Wind. Die politischen Gegner des Plans haben sich neu formiert. Durch die Entlassungen bei Behördenmitarbeitern und die Einstellungsstopps für wissenschaftliche Mitarbeiter fehlen die praktischen Umsetzer des Plans – von einem aktuellen Monitoring oder dem Beginn von Entnahmen ist nichts bekannt. Und die amerikanische Holzindustrie hat bereits erstes grünes Licht für neue Abholzungsprojekte erhalten. So könnte sich die Art Mensch am Ende als wesentlich tödlicher für den Fleckenkauz erweisen als der Streifenkauz. //
natur PlusBiologie
»Wal auf sechs Uhr!«
2. Juli 2026
Um Wale zu beobachten, muss man nicht um die halbe Welt reisen. Es gibt sie auch an der Nordseeküste – die Schweinswale.
natur PlusBiologie
Entspannt im Wasser dümpeln
2. Juli 2026
Seekühe sind die einzigen marinen Säugetiere, die sich pflanzenbasiert ernähren. Wichtige Details über ihre Ernährung hat die Forschung nun ans Licht gebracht.