Eine Strahlenquelle, die in Blutgefäße eingeführt werden kann und intensive, auf geringe Distanz wirkende Strahlung abgibt, soll nach Operationen dem erneuten Entstehen von Engstellen in Herzkranzgefäßen und damit wiederholten Herzinfarkten vorbeugen. Erprobt wird die Therapie derzeit am Universitätsklinikum Erlangen-Nürnberg .
Die Strahlenquelle enthält Strontium-90 oder Yttrium-90-Substanzen, die Beta-Strahlung abgeben. Sie wird hydraulisch in einem Katheder an den Zielort in der Arterie gebracht und ebenso wieder entfernt. Nur wenige Minuten lang wirkt die Strahlung von der Innenseite auf das eben erweiterte Gefäß ein. Damit wird der Prozess unterbunden oder zumindest gebremst, der zur so genannten Rezidiv-Stenose, der neuerlichen Verengung der Adern führt.
Beim operativen Erweitern der Arterien kann die innerste Schicht der Gefäßwand leicht verletzt werden. Winzige Risse entstehen, denen der Organismus entgegenzusteuern versucht – zunächst durch Blutgerinnung, dann durch neu gebildete Zellen, die aus den äußeren Schichten einwandern. Der Selbstheilungsprozess baut damit erneut eine Engstelle auf. Die Strahlendosis soll den umliegenden Zellen die Fähigkeit zu übermäßigem Wachstum nehmen. Nach Operationen, bei denen die Herzkranzgefäße erweitert wurden, müssen bis zu 50 Prozent der Patienten mit einem Rückfall rechnen, da die Blutzufuhr an denselben Stellen wieder abgeschnürt wird.
“Unter 15 Patienten, die wir auf diese Weise behandelt haben, gab es zwölf Monate später keinen einzigen Fall, bei dem die Herzarterien wieder verengt waren”, so Dr. Vratislav Strnad, der die Studie leitet. Gegenüber den bisherigen Methoden besitzt der Beta-Strahler wesentliche Vorteile. Nach der so genannten Ballondilatation, bei der ein kleiner, zylindrisch geformter Ballon an den entsprechenden Ort gebracht und aufgeblasen wird, fällt das Gefäß manchmal an der behandelten Stelle spontan in sich zusammen.
In anderen Fällen vernarbt das Gewebe, die Arterie verhärtet sich und schrumpft. Werden röhrenförmige Gefäßstützen verwendet, können diese zwar verhindern, dass die Ader kollabiert oder dass das Gefäß schrumpft. Gegen unerwünschtes Zellwachstum helfen solche Stents allerdings nicht. Vielmehr verstärken sie sogar die Neubildung von Gewebe, sie wachsen ein und komplizieren dadurch möglicherweise notwendige Nachfolge-Eingriffe.
Hochenergetische Beta-Strahler wirken örtlich begrenzt, und die Behandlung verlängert sich nur geringfügig. Zudem muss das medizinische Personal nicht riskieren, selbst Strahlung aufzufangen oder größtenteils vorsichtshalber den Raum zu verlassen. Etwa 350.000 Patienten mit schweren Durchblutungsstörungen könnte die Methode jährlich in Deutschland vor einem Herzinfarkt bewahren. “Wenn sich die Wirksamkeit der Therapie in weiteren Untersuchungen bestätigt”, so Strnad, “ließe sich ihr Einsatzspektrum noch erweitern. Denkbar wäre dann auch eine Behandlung von Dialysepatienten oder von verengten Blutgefäßen in den Beinen.”
pte





