Auch im Herzen scheint es Stammzellen zu geben, aus denen sich neues Muskelgewebe bilden kann. Diese Tatsache dürfte bei der Regeneration von Herzmuskeln nach Krankheiten oder altersbedingten Verschleißerscheinungen von lebenswichtiger Bedeutung sein, teilt der Verband der Amerikanischen Gesellschaften für Experimentelle Biologie mit.
Laut Bernardo Nadal-Ginard vom New York Medical College sprechen gleich mehrere Ergebnisse dafür, dass sich auch im menschlichen Herzen Stammzellen befinden. So isolierten er und seine Kollegen bestimmte Zellen aus Herzmuskeln von erwachsenen Personen. Diese Zellen entwickelten sich dann sowohl innerhalb als auch außerhalb des Körpers zu drei verschiedenen Herzzelltypen.
Ein weiterer Beweis sei, so Nadal-Ginard, dass diese Zelldifferenzierung durch wachstumsfördernde Substanzen wie Cytokine stimuliert werden kann: Die Injektion von Cytokinen nahe einem Bereich toten Zellgewebes im Herz ? beispielsweise nach einem Infarkt ? bewirkte die Bildung von neuen Muskelzellen und damit die Regeneration eines funktionellen Herzmuskels.
Nach Nadal-Ginard zeigen diese neu entdeckten Herzzellen alle für Stammzellen typischen Eigenschaften: Dazu gehören einmal Selbsterneuerung und Multipotenz ? also die Fähigkeit, sich zu vielen anderen Zelltypen zu differenzieren. Und zum anderen produzieren diese Zellen über einen langen Zeitraum hinweg ununterbrochen die gleichen Zellen, je nachdem, wo im Körper sie sich befinden.
Diese Erkenntnisse dürften von großem therapeutischem Nutzen sein, etwa nach einer Herztransplantation oder auch nach Herzinfarkten. Zudem ist es wahrscheinlich, dass diese Stammzellen im Herzen für eine ständige Erneuerung des Herzmuskelgewebes sorgen. Das bedeutet, dass ein neunzig Jahre alter Mensch nicht ? wie lange vermutet ? auch neunzig Jahre alte Herzzellen in sich trägt.
ddp/bdw ? Stefanie Offermann





